Sonntag, 7. August 2011

10. Newsletter

Lang, lang ist’s her…
…seit ich Zeit hatte, einen Newsletter zu schreiben. Mitte März! Viel ist seither geschehen, neue Kollegen, neue Büros, Ferien und beinahe eine Sehnenscheiden-Entzündung…

Neues Büro in Harare
Seit meinem letzten Lebenszeichen ist sowohl unser Büro in Harare als auch das Feldbüro in Masvingo umgezogen. In Harare hat die DEZA sozusagen die Botschaft übernommen, was nicht alle unbedingt freut und das ganze nicht einfacher macht. Geplant war das schon länger. Die beiden Büros waren nur getrennt, weil das Botschaftsgebäude umgebaut und vergrössert wurde. Nun sind die Umbauten fertig und die Botschaft und die DEZA sind wieder unter einem Dach.
Die Schweizer Botschaft ist, wie mir gesagt wurde, das einzige „grüne“ Gebäude in Harare. Mit Solarenergie und so. Leider fühle ich mich überhaupt nicht wohl im neuen Gebäude, es ist dunkel, stickig und irgendwie erdrückend. Ausserdem habe ich keinen Arbeitsplatz gekriegt. Obwohl das so besprochen worden war. Die in Harare wollen, dass ich zwei mal pro Monat nach Harare komme, stellen mir aber keinen Arbeitsplatz zur Verfügung. Da muss ich wohl nach Harare zum Ferien machen. Wie auch immer, ich habe vorgeschlagen, in einem nahe gelegenen Internet Café zu arbeiten und wenn was ist, kann man mich anrufen. Zuerst fand mein Chef das etwas übertrieben, nun sieht er aber ein, dass wir Feldleute nicht nach Harare kommen können, wenn wir dort nicht arbeiten können. Wahrscheinlich ist das Internet Café für die nächsten Monaten die einzige Lösung. Da wir in Harare am Netz der Botschaft hängen, sind die Auflagen sehr strickt und es wird einige Zeit dauern, bis eine Lösung für uns gefunden wird. Bin mal gespannt, wie es weiter geht.

Neues Büro in Masvingo
Auch das Feldbüro ist umgezogen. Da das Feld Team für das Projekt fast auf das doppelte gewachsen ist, ist das Büro in der Lodge zu klein und ausserdem müssten meine 6 Kollegen jeden Tag fast eine halbe Stunde hin und zurück fahren und die öffentlichen Busse fahren nicht bis zur Lodge. Zwei gute Gründe zum in die Stadt ziehen. Es gibt noch ein paar mehr: Neid anderer Organisationen, Ministerien die sich beklagen, dass sie uns nicht besuchen können, da wir zu weit weg sind, und die DEZA Zentrale, die sagt, es sei nicht standesgemäss, als humanitäre Organisation in einer Lodge zu leben. Dass es um einiges billiger war in der Lodge war kein ausreichendes Argument…
Wie auch immer, nun sind wir seit gut einer Woche in unserem neuen Zuhause, ich wohne auch im Büro. Wir waren nicht so glücklich wie unsere Kollegen in Harare, die in ein fertiges Büro ziehen konnten. Unser Haus war zwar keine Ruine, aber es gab und gibt immer noch sehr viel zu tun! Mittlerweile kann ich jedes Türschloss einbauen und flicken, dem Schreiner erklären, wie er eine Schranktür anbringen muss, damit man sie schlussendlich öffnen kann und Silikonfugen sind bald meine Spezialität. Dafür muss ich jetzt aufpassen, dass ich keine Sehnenscheiden Entzündung kriege…
Mit dem Schreiner hatten wir eine ganz schlechte Wahl getroffen. Wir haben ihn gebeten, ums Spülbecken herum einen Schrank zu bauen um Geschirr, Pfannen etc. zu verstauen. Eines Tages, als die Türen zum Schrank montiert werden sollten, stellte sich heraus, dass die Hälfte des Möbels gar nicht zugänglich wäre, da keine Tür… und ausserdem wollte der Schreiner keine Regale einbauen. Auf die Frage, wie wir das Geschirr und so verstauen sollten, wusste er auch keine Antwort. Der Schrank hat nun eine zusätzliche Tür und auch Regale gekriegt.
Die Silikonfugen um die Spüle hab ich dann selber gemacht. Leider konnte ich nur schwarzes Silikon finden… Da der Schrank gelb gestrichen wurde, habe ich jetzt eine Uri-Küche ;-). Meine ersten Fugen, und dann noch in Schwarz, da kann man meine stümperhafte Arbeit überhaupt nicht verstecken. Wichtig war’s aber doch und das Timing war perfekt, denn der Klempner hat tags darauf gleich eine Überschwemmung gebastelt. Ok, das war wirklich Pech! Wir mussten einen leckenden Wasserhahn entfernen, um in der Stadt einen neuen zu kaufen, also drehten wir den Haupt-Wasserhahn zu – so dachten wir mindestens – als wir zurück kamen, hatten wir einen Springbrunnen in der Küche und das halbe Büro war überschwemmt. Anscheinend hat genau zur gleichen Zeit, als wir am Hahn gedreht haben, auch die Wasserversorgung den Hahn zugedreht, und leider zu früh wieder aufgedreht… Wie gesagt, Pech.
Gestern habe ich zum Glück transparentes Silikon gefunden, denn ich hatte eine wichtige Mission: Krieg den Ameisen! Mein Badezimmer scheint sehr beliebt zu sein bei den Ameisen. Sie kamen durch jede Ritze rein, Millionen winzige und hartnäckige Störenfriede! Nun wird sich zeigen, ob ich alle Ritzen verschlossen habe.
Und immer noch ist einiges zu tun: wir haben keinen Storm, da der Transformer zum Haus kaputt ist und anscheinend das Elektrizitätswerk nicht zuständig ist. Wir mussten uns also selber um die Reparatur kümmern, und hoffen, dass der bald vom Flicken zurück ist, denn der Generator ist nicht sehr umweltfreundlich. Dann brauchen wir dringend einen Wassertank um die Wasserunterbrüche zu überbrücken, hatten aber noch keine Zeit, um das zu organisieren. Und es gäbe noch viel mehr lustiges und weniger lustiges zu berichten, aber das soll mal genügen betreffend Haus.

Neue Kollegen
Da das Gesundheitsministerium im Juli endlich das Memorandum of Understanding unterschrieben hat – hat nur 7 Monate gedauert, was sehr schnell ist, kein Witz! Viele Organisationen fragen sich, wie wir das geschafft haben – können wir offiziell anfangen mit handfesten Aktivitäten des Projektes! Deshalb musste das Feld Team schnell wachsen. War ganz interessant bei Job Interviews mal auf der anderen Seite des Tisches zu sitzen. Um das Projekt durchzuführen, müssen wir genügen Leute sein, sonst geht’s schief. Zuerst sind wir allerdings geschrumpft. Wie im letzten Newsletter berichtet hat uns Lulu, unsere Kollegin aus der Schweiz Ende März verlassen. Auch Mkhululi Ngwenya ist nicht mehr in unserem Team in Masvingo. Er wurde nach Harare befördert. Nun haben wir ein fast komplett neues Team. Nur Stephen Kabiseni und ich sind noch übrig. Die neuen Kollegen sind: ein Wasser-Ingenieur, ein Ökonom mit viel Erfahrung in WASH, da er für die Regierungsbehörde gearbeitet hat, die Standards definiert und überwacht, eine ehemalige Mitarbeiterin des Gesundheitsministeriums, ein Verantwortlicher für Finanzen und Administration und ein Fahrer. Sobald sich alles eingespielt hat, werde ich eine etwas ruhigere Kugel schieben können, hoffentlich!
Wer noch fehlt ist ein Gärtner und Putzer, den haben wir bereits gefunden, aber der Vertrag fehlt noch, und ein Hund. Ganz wichtig. Der muss nämlich den Nachtwächter aufwecken, falls ein Einbrecher kommt ;-).

Präsentationen und Projektstart
Wie ich es doch liebe vor Publikum zu sprechen… War aber unvermeidbar. Um die Unterschrift auf dem erwähnen Dokument zu kriegen, mussten wir das Projekt vor verschiedenen Gremien präsentieren. Als Projektmanager musste ich das natürlich machen. War eine gute Übung für mich. Vor allem die erste Präsentation für Regierungsvertreter in Harare. Für diese Präsentation musste ich mir in letzter Minute einen Kostüm kaufen, mit Hosen natürlich. Schon wieder etwas, das ich nicht gerne mache. Einkaufen… Zum Glück hatte ich Hilfe von einer Bekannten eines Freundes. Sie brachte mich auf den Flohmarkt, weil sie dachte, ich suche ein paar Jeans. Trotzdem wurden wir bald fündig und die Präsentation war ein Erfolg. Auch die zweite für die Provinz. Auf Distrikt Level musste ich nur noch eine kurze Einführung machen, da die Details besser in der lokalen Sprache, Shona, präsentiert werden. Schwein gehabt! Unser Projekt wurde auf allen Ebenen akzeptiert und wir willkommen geheissen und wir sind ready to go!
Wir konnten es kaum erwarten, das Projekt endlich richtig zu starten. Dafür mussten wir aber die ganze Prozedur von Präsentationen und offiziellen Dokumenten etc. durchlaufen um niemandem auf die Füsse zu treten. Nun haben wir aber mit der richtigen Arbeit begonnen. Nicht dass wir bisher nicht gearbeitet hätten. Es gibt immer Dinge, die man vorbereiten kann. Die ersten Aktivitäten sind Trainings für Trainer von „Village Health Workers (VHW)“. Die VHW sind diejenigen Leute, die für das Gesundheitsministerium von Dorf zu Dorf gehen, Kontrollen machen und wichtige Informationen verbreiten. Sie werden die Informationen zu unserem Projekt in den beiden Distrikten verbreiten und dazu aufrufen, uns und ihre Klinik bzw. ihr Spital zu unterstützten. Andere Trainings sind in der Pipeline und parallel dazu fangen wir mit dem Kauf von Material für die Reparaturen der Infrastruktur an. Langsam, langsam aber sicher kommt das ganze ins Rollen!

Ferien in der Schweiz
Im Juni war ich für drei Wochen in der Schweiz. Ich danke allen, die sich Zeit genommen haben, um mich zu sehen. Und es tut mir leid, dass ich viele von euch nicht treffen konnte. Drei Wochen sind einfach schon sehr kurz. Trotzdem habe ich mir erlaubt, wie jedes Jahr am TCS Motorrad Saisonstart Training in Ambri teilzunehmen. Schliesslich waren es meine Ferien und Töff Fahren ist nun mal mein liebstes Hobby. In diesem Kurs treffe ich jedes Jahr Leute, die ich mittlerweile zu meinen guten Freunden zählen darf.
Ausserdem musste ich während den Ferien ein paar Tage arbeiten, weil genau zu der Zeit der Mietvertrag fürs neue Büro in Masvingo unterschrieben werden musste und wir mitten in der Selektion von Kandidaten für die neuen Stellen im Feldbüro waren. Dann war ich noch einen Tag an der Zentrale, wo ich zwei Kollegen vom Korps getroffen habe, wovon uns einer im September für ein paar Monate in Simbabwe unterstützen wird.
Am Tag vor meiner Rückreise nach Simbabwe durfte ich noch mit meiner Familie den 60sten Geburtstag meiner Mutter feiern.
Diesen Monat komme ich wieder kurz in die Schweiz. Allerdings nur für 2 Wochen und davon werde ich 7 Tage in Trainings der DEZA in Gwatt sein. Trotzdem bleiben da noch ein paar Tage für euch und für mich!
Wünsche alles Gute!

Eveline.

Samstag, 12. März 2011

9. Newsletter

Diesmal gibt’s keine Entschuldigung…
…dass ich nicht früher geschrieben habe. Es war einfach zu viel los. Neue Kollegen aus der Schweiz, Ferien mit Eltern und Gotti in Afrika, wieder ein Kurs in der Schweiz, Abschied von IOM, Beginn mit dem DEZA Büro in Simbabwe, neues Projekt, neues Gebiet, neues Team, neues Zuhause und vieles mehr. Aber alles der Reihe nach!
… das Schreiben könnte eine Weile dauern… habe gerade ein paar Notizen gemacht, was denn alles berichtenswert ist, und mit Erstaunen festgestellt, dass die Notizen in Englisch sind… Das wird ja lustig!

Neue Kollegen aus der Schweiz
Die Welt ist klein. Eines Tages hiess es, ein Kollege vom Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) komme nach Simbabwe um das WFP zu unterstützen. Der Name kam mir verdächtig bekannt vor und tatsächlich, er war es! Rudolf, den ich am Rekrutierungstag fürs SKH kennengelernt habe, wo wir uns gegenseitig beinahe aus dem Rennen geworfen hätten. Zum Glück waren wir nicht erfolgreich und haben uns dann am SKH Einführungskurs wieder getroffen und jetzt in Harare, wo sonst! Zwei Tage später landete auch meine Unterstützung aus der Schweiz, Marie-Louise, oder Lulu. Sie wurde gesandt um mich beim Handover in IOM zu unterstützen und anschliessend mit mir zusammen das neue Projekt für die DEZA zu starten. Wie sich herausstellte spielen wir alle drei gerne Tennis, bei mir ist das zwar schon ein Weilchen her was soll’s. Rudolf entschied sich, bei einem meiner Kollegen (Donavan) von IOM einzuziehen, der selber Tennis spielt und ausserdem einen Tennisplatz im Garten hat. Sein Haus wurde mein zweites Zuhause, paradiesisch! Der Kühlschrank ist immer voll, die Männer kochen (!), der Fernseher ist riesig, es ist immer jemand da für ein gutes Gespräch und der Tennisplatz ist gleich vor der Tür. Was will man mehr?

Ferien im südlichen Afrika
Anfang September war es dann soweit. Die lange erwarteten und zu zwei Drittel detailliert geplanten Ferien mit meinen Eltern und meinem Gotti Carla standen vor der Tür. Meine Eltern sollten für 3 Wochen, mein Gotti für 2 bleiben. Von diesen Ferien gibt’s übrigens ein Fotoalbum. Wir starteten in Simbabwe, genauer gesagt in Harare. Eine der ersten Erfahrungen die sie hier machen mussten war etwas alltägliches für uns: Stromausfall und der Generator streikt! Zum Glück hatte der Gärtner Besuch von seinem Bruder, der das Problem sofort behob. Das ist auch typisch in Simbabwe, es ist fast immer jemand da, der helfen kann und das auch tut, umsonst. Am zweiten Tag ging’s zum Spatzieren auf den Hügeln von Domboshava mit den Felsmalereien und dann war’s bereits Zeit für Mana Pools. Ich habe meinem Vater zum 60sten Geburtstag 2 Nächte für 2 Personen in einer Lodge im Mana Pools Park geschenkt. Wir hatten eine tolle Zeit mit gutem Essen, vielen Tieren und gemütlichen Sonnenuntergängen. Diesmal waren die Löwen nicht gewillt sich zu zeigen, dafür wanderte eine Elefantenmutter mit ihren 2 Babies Tag und Nacht im Camp herum. Die Leoparden wollten sich mir auch diesmal nicht zeigen, einer anderen Gruppe dafür schon. Aber wir haben einen Hasen gesehen!
Nach Mana Pools ging’s zum Packen nach Harare und dann weiter nach Kapstadt wo wir ein Auto reserviert hatten. Das mussten wir dann aber gleich umtauschen, da der Gepäckraum zu klein war… Drei Frauen mit Gepäck… No comment! Jedenfalls sind wir eine Woche lang im südwestlichen Südafrika rumgedüst, haben Wein degustiert, Wale beobachtet, einsame Küsten genossen und kurz Kapstadt unsicher gemacht. Der Kontrast zu Simbabwe hat mich ehrlich gesagt ziemlich beschäftigt. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass die Leute versuchen zu leugnen, dass Südafrika ein Afrikanisches Land ist. Alles sollte perfekt sein und das Ganze in einer Art, dass für mich der ganze Charme verloren ging. Ich fühlte mich überhaupt nicht in Afrika und war irgendwie traurig, dass die Südafrikaner – zumindest in der Gegend in der wir waren – offenbar nicht Stolz darauf sind, Afrikaner zu sein. Das ist in Simbabwe ganz anders, trotz der aktuellen Situation.
Wie auch immer. Nach Kapstadt mussten wir mein Gotti verabschieden und den Flug nach Windhoek, Namibia, erwischen. Dort wartete auch ein Auto auf uns. Diesmal war es definitiv gross genug und ganz wichtig: geländetauglich! Bis hier war alles ziemlich detailliert geplant. Die einzigen zwei Dinge die von nun an organisiert waren, war eine Nacht im Sossousvlei Park und die Rückflüge. Ich konnte meine Eltern davon überzeugen, dass wir einfach drauflos fahren und von Tag zu Tag planen. Tja, wir hatten riesig Glück, dass wir in der ersten Nacht 3 Betten gefunden haben. Zuerst hiess es aber, dass es kein Abendessen und Frühstück gibt, da wir uns nicht angemeldet hätten… Da wir mitten im Nirgendwo waren gab’s keine Alternative, und kein Handyempfang. Wir blieben und plötzlich war das Essen kein Problem mehr. Es war mehr als genug da. Von nun an buchten wir immer bereits am Morgen für die Nacht oder sogar für den nächsten Tag. Damit hatten wir keine Probleme mehr. Die Atmosphäre in Namibia war wieder komplett anders als in Südafrika und auch in Simbabwe. Wir fuhren von Windhoek Richtung Süden, in die unendlichen Weiten. Es ist leer. Es ist weit. Und es gibt kaum asphaltierte Strassen. Wir wanderten in den fossilen Dünen, in den roten Dünen von Sossousvlei und fuhren durch den Sand der Kalahari. Und wir sahen Hasen… Eines späten Nachmittags hab ich mich eine Stunde lang geduldig hingesetzt, um Erdmännchen zu fotografieren. Keine Erdmännchen… nur Hasen… Die Hasen wurden irgendwie zu einem wichtigen Bestandteil unserer Ferien!
Es gäbe noch viel zu erzählen von den Ferien, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass ihr auch was über die Arbeit wissen möchtet………

Abschied von IOM
Nach 15 Monaten IOM war die Zeit gekommen, um Lebwohl zu sagen. Vorher gibt’s aber noch drei Dinge zu berichten! Im letzten Newsletter hab ich geschrieben, wie sehr ich mich auf meinen Nachfolger freue. Nun ja, er ist nicht gekommen… Er hat uns hängen lassen… Das ganze passierte eine Woche vor meinen Ferien. Tolles Timing! Der Glückspilz hat zur gleichen Zeit einen anderen Job angeboten bekommen, der viel besser war, nämlich im Sudan. Das ist eine riesige Chance für ihn und bestätigt, dass wir einen guten Riecher hatten. Bei den Interviews ging der zweite Platz an einen meiner Kollegen in IOM, der den Job annahm und hervorragend meistert.
Auch noch vor meinen Ferien hatte ich noch einen letzten sehr eindrücklichen Besuch ins Feld. IOM hatte sich ein Jahr lang für ein paar hundert Familien von vertriebene Farmarbeiter eingesetzt, die in einem inoffiziellen Camp hausten. Nach langem Ringen wurde diesen Familien Land zur Verfügung gestellt, wo sie sich offiziell niederlassen durften. IOM unterstützt die Familien dabei, ein neues Leben aufzubauen und sich in die Gesellschaft einzugliedern. Ich war da mit meinen Kollegen als die ersten Familien mit ihrem spärlichen Hab und Gut ihre neue Heimat erreichten, ihre neuen Nachbarn kennen lernten, ihre Parzelle zum ersten mal betraten und anfingen das Land von Büschen etc. zu klären um Platz zu schaffen für den Bau ihrer Hütten. Das war unbeschreiblich!
Im Oktober war ich für eine Stippvisite in der Schweiz. Samstag Ankunft, Montag bis Freitag GIS/GPS Kurs, Samstag Abflug. Ein paar wenige, sehr flexible Freunde und Familie habe ich kurz gesehen, mehr war nicht drin. Und das Wetter war nicht gut genug zum Töfflen…
Dann Ende Oktober war es endgültig Zeit für den Abschied. Ich hatte eine tolle Zeit in IOM, nicht immer einfach, aber unvergesslich. Ich habe extrem viel gelernt, beruflich und persönlich, Freunde gefunden und bin an unendlich vielen Erfahrungen reicher. Tatenda, vanhu vakanaka (Thank you, good people)!

Neuer Job, neues Leben
Am 1. November 2010 war es dann soweit. Ich hatte die Ehre einen neuen Job, diesmal direkt für die DEZA, zu beginnen. Nun bin ich Chef des Feldbüros und Projektmanager. Dies bedeutete jedoch, dass ich von Harare nach Masvingo ziehen musste. Masvingo ist ca. 4 Stunden Autofahrt südlich von Harare. Unser Auftrag, Lulu ist ja auch noch da, ist herauszufinden, wie schlimm es um die Wasser und WC Versorgung in Kliniken und Spitälern in zwei Distrikten, Zaka und Bikita, steht und vor allem, wie wir helfen können. In diesen beiden Distrikten unterstützt die DEZA ein Projekt eine Schweizer Organisation (SolidarMed), die dem Gesundheitsministerium hilft, die Medikamentenabgabe für und das testen von (potentiellen) HIV positiven Leuten zu dezentralisieren. Nun sollen wir uns um Wasser, WCs und Hygiene kümmern. Im November und Dezember sind wir von Klinik zu Klinik gefahren und das Fazit: 90% haben nicht genügend Toiletten, 50% haben kein fliessend Wasser (Minimum Standart vom Gesundheitsministerium) und die Hälfte der Kliniken mit fliessend Wasser haben nur eine sehr sporadische Wasserversorgung und 90% haben keine Möglichkeit medizinischen Abfall wie Spritzen sicher zu entsorgen. Ausserdem ist die Wasserqualität in vielen Fällen bedenklich. Das Leben für die Krankenschwestern und das andere Personal in den Kliniken, die auch dort wohnen, ist sehr schwierig. Deshalb gibt es sehr viele Wechsel im Personal, was die Arbeit in den Kliniken erschwert, da keine Kontinuität vorhanden ist.
Mit unserem Projekt möchten wir dieser Entwicklung indirekt entgegenwirken. Was ist denn nun unser Projekt. Wir haben Anfang Januar 2011 unseren Vorschlag nach Bern geschickt und er wurde akzeptiert! Das beste daran ist: es ist Geld von der Entwicklungshilfe, nicht von der Humanitären Hilfe. Wir haben 2 Jahre Zeit und dadurch können wir ganz anders arbeiten als die meisten anderen Organisationen. Das ganze ist eine Art Pilot. Der Cluster Coordinator des WASH Clusters hat unseren Ansatz letzte Woche „applied research“ genannt und will uns unterstützen wo er kann, denn unser Projekt ist einmalig in Simbabwe. Ihr kennt mich, ich bin kein Prahler aber wir sind echte Glückspilze und haben hier eine einmalige Chance. Wir sind wirklich sehr aufgeregt und wissen, dass wir viel Arbeit und viele Schwierigkeiten vor uns haben. Wir werden weiterhin sehr eng mit dem Cluster, verschiedenen Regierungsbehörden, die die Standards regeln, den Vertretern des Gesundheitsministeriums in den Distrikten und in den Kliniken und Spitälern und vor allem den traditionellen Leadern und der Bevölkerung zusammen arbeiten. Sonst haben wir keine Chance auf Erfolg!
In den zwei Distrikten werden wir insgesamt 46 Spitäler und Kliniken unterstützen. Unser Projekt besteht aus zwei Hauptkomponenten. Die ersten Komponente ist die einfache: Reparatur der Infrastruktur; Pumpen, Leitungen, Wasserreservoirs oder Tanks, Plumsklos, Spühlklos, Infrastruktur für angemessene Entsorgung von medizinischen Abfällen. Für diese Komponente haben wir 12 Spitäler und Kliniken ausgesucht, die am stärksten belastet sind (# Patienten, Zustand der Wasserversorgung, etc.). 4 davon sind grosse Spitäler, 3 kleiner Spitäler und die übrigen Kliniken. Diese 12 werden ein Komplettpaket für Wasser, WC und Abfallentsorgung erhalten. Ein Grossteil der Arbeit wird an Unternehmen vergeben. Für die übrigen 38 Kliniken haben wir ein kleineres Budget und das Klinikpersonal und Komitees der Bevölkerung werden bestimmen, wie das Geld investiert wird. Der Grossteil der Arbeit wird auch von ihnen erledigt werden müssen, das Material wird von uns zur Verfügung gestellt und wir unterstützen sie mit Wissen etc. wo immer sie dies benötigen. Mit diesen zwei Vorgehensweisen werden wir vergleichen können, ob es besser ist, viel Geld zu investieren, oder ob das Ergebnis besser ist, wenn man nur das Nötigste macht. Die Antwort scheint einfach zu sein, ist aber etwas verzwickt, weil der wichtigste Faktor für den Erfolg die Nachhaltigkeit ist. Wenn wir fertig sind und alles an die zuständigen Behörden übergeben, werden diese in der Lage sein, für den Unterhalt zu sorgen? Deshalb ist die zweite Komponente unseres Projekts fast wichtiger als die erste.
Von der zweiten Komponente werden alle Spitäler und Kliniken gleich profitieren. Das sind die Trainings. Nebst den obligatorischen Trainings für Leute, die in den Dörfern Werbung für Hygiene und sauberes Wasser machen sollen und Trainings für Mechaniker von Handpumpen (Wasser) haben wir weitere Trainings und Recherchen geplant. Diese Trainings sollen den Leuten helfen, ihre Infrastruktur besser zu managen und so die Nachhaltigkeit unseres Projekts stark verbessern. Dazu werden wir eine Kosten-Analyse machen, wieviel Geld muss im jährlichen Budget geplant werde für den Unterhalt (und den Rest), wieviel Geld nimmt eine Klinik / ein Spital im Schnitt jährlich ein. Wohin geht das Geld (wird zentral gesammelt), wer entscheidet, wie dieses Geld wieder verteilt wird, und so weiter und so fort. Ganz offensichtlich ist irgendwo der Wurm drin, den wir finden wollen. Durch diese Trainings wollen wir auch eingeschlafene Komitees wieder stärken, um wieder mehr Schwung, Dynamik und Verantwortungsbewusstsein zu haben. Dafür haben die anderen Organisationen keine Zeit und kein Geld aber sie sind sehr an unseren Ergebnissen interessiert.
Das ist das Projekt, für das ich länger als geplant in Simbabwe bleiben werde. Ich hoffe, ihr habt Verständnis dafür.
Hier in Masvingo sind wir im Moment ein sehr kleines Team: Lulu, die uns Ende Monat bereits verlassen wird, um wieder in die Schweiz zurück zu kehren, Mkhululi Ngwenya – Projekt Officer, der sich um die ganzen Trainings und Nachhaltigkeitsaspekte kümmern wird und Stephen Kabiseni – Projekt Assistent, der sich um die Infrastruktur kümmern wird. In den nächsten paar Wochen werden wir drei zusätzliche Kollegen rekrutieren. Wir brauchen noch einen Assistenten und einen Officer sowie eine Finanz und Administration/Logistik Person fürs Feldbüro. Ich kann einfach nicht alles machen! Zum Glück haben wir Support von unseren Kollegen in Harare.
Mein neues Zuhause in Masvingo ist momentan in einer Lodge – die Hippo Creek Lodge, wo auch unser Büro ist. Das Büro hat mein Vorgänger eröffnet. Wunderschöner Ort, direkt an einem Stausee wo man am Wochenende Fischen kann, wenn man Zeit hat und wenige Kilometer von einem Park mit Giraffen, Zebras, Büffeln, Rhinos, Leoparden, etc. In der Nacht kriegen wir regelmässig Besuch von einem Hippo, welches offenbar am liebsten das Gras direkt vor meiner Hütte frisst. Falls mich hier jemand besuchen kommt: bringt eine gute Taschenlampe mit! Weitere erwähnenswerte Haustiere sind unzählige Spinnen und ab und zu mal eine Schlage (bisher zum Glück nicht im Zimmer…). Besucher sind herzlich willkommen!
So, jetzt hab ich wohl genug geschrieben. Wünsche euch allen einen guten Start in den Sommer! Bis zum nächsten Mal. Ich plane im Juni für 2-3 Wochen in die Schweiz zu kommen für euch (!) und meinen alljährlichen TCS-Töffkurs. Kann’s kaum erwarten!

Eveline.

Montag, 2. August 2010

8. Newsletter

Es wird mal wieder Zeit…
…für einen Newsletter aus Simbabwe. Ich habe mit Schecken festgestellt, dass mein letzter Bericht schon ein Weilchen her ist, so ca. vier Monate +. Wie schnell doch die Zeit vergeht, wenn man beschäftigt ist! Sehr viel passiert ist eigentlich nicht, aber ein paar Dinge gibt’s schon zum Berichten.

Leute gehen und kommen, vielleicht, irgendwann
Wenn man ein Weilchen in einer Arbeitsumgebung wie meiner aktuellen gearbeitet und gelebt hat, gewöhnt man sich daran, dass „alte“ Freunde gehen und neue kommen. Das ist ja generell nicht ungewöhnlich, hier geschieht es einfach öfter und schneller. In den letzten vier Monaten haben einige Freunde, berufliche und private, Simbabwe verlassen. Keine Angst, ich werde nicht alle aufzählen, nur ein paar wenige, wie zum Beispiel meine WG-Kollegin, Liz, die im April zurück in die Staaten gegangen ist, nach acht Jahren im Ausland. Für mich bedeutete das: neues Haus. Aber davon später. Der letzte wichtige Abschied war am vergangenen Freitag. Unser Chief of Mission hat seine Mission in Simbabwe beendet und wird der neue Chief in Kolumbien. Sein Nachfolger für Simbabwe wurde längst bestimmt, aber solange Mugabe ihn nicht bestätigt, sind wir ein bisschen Chef-los. Wir hoffen nun, dass er bald kommen kann, vielleicht, irgendwann, hoffentlich bald!
In zwei-drei Wochen wird mein Nachfolger bei IOM anfangen. Ein junger und viel versprechender Simbabwer. Freue mich sehr darauf, ein bisschen Arbeit abgeben zu können! Ausserdem brauche ich im September jemanden, der meinen Job macht, während ich mit meinen Eltern und meinem Gotti drei Wochen lang das südliche Afrika unsicher mache!

Das neue Haus
Wie schon im letzten Newsletter erwähnt war Liz’s Zeit in Simbabwe im April abgelaufen und ausserdem tauchte die Eigentümerin von unserem Haus unangemeldet einfach wieder auf. Der Schreck sitzt mir immer noch in den Knochen! Die Pläne für unsere Flucht aus dem Haus haben wunderbar geklappt und die Eigentümerin hat irgendwie gemerkt, dass es wegen ihr war... Wir sind eigentlich beide nicht so, aber diese Person ist einfach zu ……….. ich kann das nicht beschreiben, dafür gibt’s keine Worte!
Das neue Haus teile ich mit einer Kollegin von IOM. Da wir beide nicht viel Zeit zu Hause verbringen macht es nichts, dass das Haus überhaupt nicht „heimelig“ ist. Nein, wir sind nicht ständig am Party machen! Jedenfalls nicht immer… ;-) Ich hab jetzt keinen Pool mehr. Macht überhaupt nichts, bin sowieso keine Wasserratte. Die Gegend von Harare, in der ich jetzt wohne, hat deutlich mehr Stromunterbrüche und tagelang kein Wasser. Macht auch nichts, wir haben ja einen Generator und eine Grundwasserbohrung (die nicht tief genug ist… wir kriegen in zwei Wochen aber eine neue!!!). Alles in Allem ist das Haus sehr ok und ausserdem noch billiger als das alte. Aber auch hier ist ständig etwas kaputt… Aber die Eigentümer scheinen sehr angenehm zu sein, was mir nach meiner letzten Erfahrung sehr wichtig ist!

Aus der Schweiz – in die Schweiz
Ende April war wieder der alljährliche Besuch der Delegation aus der Schweiz angesagt. Diesmal sind wir wieder die Bohrungen anschauen gegangen, im Sinne von: 6 Monate später, und ausserdem besuchten wir unsere Plumsklos, das neue Projekt in der selben Gegend. Alles lief gut und die Diskussionen mit der Delegation, den WC-Bauern und den Wasser-Trinkern waren sehr produktiv.
Danach war das grosse Kunst-Festival in Harare: HIFA! Leider hab ich nicht viel mitbekommen, da ich vor meinem Abflug in die Schweiz noch einiges zu erledigen hatte. Einen Abend hab ich mir aber doch aus dem Büro geschlichen und die Atmosphäre des Festivals mit Ausstellungen und Open-Air Konzerten genossen! Herrlich! Fast so gut wie die Alpentöne!!! Kaum war ich auf den Geschmack gekommen ging’s aber zum Flughafen: Drei Tage DEZA-Kurs in Wasser-Qualitäts-Bestimmung im Feld und Chlorierung von Wasser, ein paar Tage in Zürich und Altdorf und anschliessend zwei Tage TCS-Töffkurs in Ambri. Natürlich war ich genau in den zwei verregneten Wochen in der Schweiz. Zum Glück (?) hat’s nicht immer geregnet. Auf dem. Simplon hat’s nämlich geschneit. Sehr interessante Erfahrung mit dem Moped…
Dann waren die zwei Wochen schon wieder um und ich musste einige Freunde und Verwandte ungesehen zurück lassen. Sorry!

Die WM
Alle die nicht glauben, dass es für Afrikaner ein grosses Erlebnis war, die WM auf ihrem Kontinent zu haben, hätten im Juni/Juli in Afrika sein sollen! Die Stimmung war wunderbar! Es war eine grossartige Zeit. Auch beruflich. Da sowieso alles vor dem Fernseher war, gab’s kaum einen Grund für Überstunden. Da mein Fernseher zu klein ist, habe ich einen Monat lang die Gastfreundschaft meiner Kollegen und Freunde genossen und bin vermehrt am Abend mit Freunden in Restaurants und Bars gegangen, um die Spiele in einem gemischteren Publikum zu geniessen. Ich war dann trotzdem froh, als der Spuk vorbei war, damit die Projekte wieder etwas schneller vorwärts gehen.

Kulinarisches
Nachdem ich bereits Magen und Darm mit Sadza gegessen habe, und das ist geschmacklich nicht vergleichbar mit den Kutteln, die ich kenne, habe ich nun auch mit einem typischen simbabwischen Snack Bekanntschaft gemacht: frittierter Vogel, am Stück. Diese Leckerbissen kann man in einigen Gegenden am Strassenrand kaufen. Das sind spatzengrosse Vögel, die man gerade mal von ihrem Gefieder befreit und frittiert hat. Der Rest ist noch dran beziehungsweise drin. Man isst das ganze Ding, von den Zehennägeln bis und mit Schädel und Schnabel. Mehr ins Detail werde ich jetzt nicht gehen, aber es war eine sehr interessante, aber nicht un-schmackhafte, Erfahrung und hat mich einiges an Überwindung gekostet.

Der Mann und seine Häuser
Andere Länder, andere Sitten. Ich möchte das was kommt möglichst neutral schreiben, bin aber nicht sicher, ob es mir gelingt…
Das allererste, das man einer (jungen) Frau die nach Simbabwe kommt, erklären sollte, ist das Prinzip vom „Small House“. Die Männer in Simbabwe (und auch in anderen Ländern) sind nicht einfach freundlicher, hilfreicher und aufmerksamer als andere. Sie sind „interessierter“. In Simbabwe ist Polygamie immer noch weit verbreitet, vor allem auf dem Land und für die ältere Generation. Die jüngeren Männer (so ca. bis 50 oder 60 ;-)) haben nicht mehr mehrere Ehefrauen sondern mehrere „Häuser“ und „Sidekicks“, oder anders gesagt: „Geliebte“ und „jemanden für ab und zu“. Das ist ja noch nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist, wie akzeptiert es ist, dass Männer mehrere Frauen parallel haben (und das gilt nur für Männer, so steht’s in der Bibel…). In den letzten Wochen hatte ich mehrmals Gelegenheit über dieses Thema zu diskutieren und mehr über die „Mechanismen“ zu erfahren. Also: ein Mann hat in der Regel mehrere Frauen/Freundinnen. Die Frauen wissen das häufig nicht. Immer noch nicht ungewöhnlich. Die Freunde der Männer und teilweise sogar die Familien der Männer wissen von den verschiedenen Frauen und kennen diese meistens sogar. Die verschiedenen Freundinnen und Frauen werden zu verschiedenen Partys eingeladen und jeweils als feste Freundin vorgestellt. Obwohl die Mehrheit der Anwesenden genau weiss, dass das nicht stimmt, würde nie, wirklich nie jemand die Frau aufklären. Ich weiss nicht, ob die Frauen ein bisschen naiv sind oder die Männer sehr geschickt. Egal. Rein logisch betrachtet müssen die Frauen auch mehrere Männer haben. Sonst gäbe es ja zu wenige Frauen. Bei den Frauen darf das aber nie jemand erfahren. Das ganze hat aber auch einen positiven Aspekt, und ich meine nicht den für die Männer! Zu der ganzen Small-House Geschichte gehört meistens auch, dass der Mann auch für die zweite, dritte, etc. Frau sorgt, finanziell. Sehr oft bezahlt ein Mann seiner/seinen Frau/en eine Wohnung, alle Rechnungen, Kleidung, und so weiter und manchmal sogar ein Studium. Dafür stellt sich hier in Simbabwe wahrscheinlich manche Frau gerne unwissend…

So, jetzt hab ich mich mal wieder gemeldet. Ihr könnt Gamu, unserem „IT-Spezialisten“ hier Danke sagen. Er hat mir heute vorgeworfen, dass mein (Ego-)Antivirus-Programm alle Dateien auf dem Server gelöscht habe… Der ist doch nur eifersüchtig, dass ich als einzige keinen Virus auf meinem Laptop habe! Jedenfalls update ich meinen Avira AntiVir gerade zum Trotz. Der Nachteil ist, dass das heute ewig dauert. Der Vorteil: ihr habt wieder mal was zum Lesen! ;-)

Liebe Grüsse!


Eveline.

Samstag, 3. Juli 2010

Für alle "Facebook-Nicht-So-Gerne-Haber"

Liebe Freunde

Da doch einige von euch gemeldet haben, dass sie auch nicht wegen mir Facebook beitreten werden, habe ich drastische Massnahmen ergriffen, und einen Blog angefangen... Zum Glück macht sich der von selbst ;-)

Um den Blog schon von Anfang an schön voll zu haben, habe ich die alten Newsletter rein gestellt. Der nächste folgt hoffentlich bald.


Wie auch immer, viel Spass mit meinem Blog. Ich versuche auch diesen ab und zu mal upzudaten.

Liebe Grüsse


Eveline.

Sonntag, 21. März 2010

7. Newsletter

Hier bin ich mal wieder mit etwas Text. Mein letzter Newsletter ist schon
eine ziemliche Weile her. Es ist nicht so, dass ich in der Zwischenzeit
nichts zu erzählen gehabt hätte. Ich bin einfach nicht zum Schreiben
gekommen und ausserdem ist in letzter Zeit nicht alles optimal gelaufen… 

Der neue Alltag
Seit Dezember bin ich ja so zu sagen der Chef/Manager der WASH Unit von
IOM Zimbabwe. Darüber hab ich im letzten Newsletter schon geschrieben.
Jetzt hab ich langsam, sehr langsam, das Gefühl, das ich vielleicht
teilweise den Überblick habe ;-). So schlimm ist’s nicht. Es sind nur 2
Projekte, die ziemlich schwierig sind. Das eine Projekt war von Beginn an
ein Chaos. Das war noch letztes Jahr irgendwann im September oder so. Zwei
Abteilungen von IOM mit Kommunikations-Defiziten und ein unzuverlässiger
Unternehmer sind eine schlechte Mischung! Ich hatte dann im Dezember die
Ehre, dieses Projekt zu übernehmen, und seit 3 Wochen glaube ich, dass ich
die Details endlich zusammen habe, um zu wissen, was gemacht wurde, wie
viel Honorar bereits gezahlt wurde, was noch ausstehend ist und vor allem,
was noch gemacht werden muss. Uff! Und jetzt, wo wir wissen, was noch
fehlt, steht mal wieder alles still, weil wir seit 3 Wochen auf die
entsprechenden Verträge für die Unternehmer warten. Was kann man erwarten,
wenn man für die ganze Organisation nur eine Person hat, die Verträge
machen kann, die dazu noch hoch schwanger ist und zum Dessert obendrauf
noch einen Virenverseuchten Compi hat, der tagelang nicht läuft? Macht
nichts, das Projekt muss erst Ende Woche fertig sein… Auch weitere 4
Projekte, die jetzt eigentlich starten sollten, sind auf Standby, weil die
Verträge nicht bereit sind. Das Gute daran ist: jetzt hab ich Zeit zum
Newsletter schreiben! Damit ihr mal seht, wo wir überall tätig sind, habe
ich diesmal eine Karte angehängt. 


Politik...
Letzte Woche war ich in Chiredzi, weil UNICEF und Action contre la Faim
(ACF) uns gebeten haben, dort ein paar Bohrungen zu machen. Dieser Distrikt
war letztes Jahr beim Choleraausbruch stark betroffen und auch dieses Jahr,
obwohl der Ausbruch nicht vergleichbar ist mit dem vom letzten Jahr, sind
in diesem Distrikt wieder überdurchschnittlich viele Menschen betroffen.
Der Grund ist, dass praktisch keine Bohrungen vorhanden sind. Die Leute
trinken schmutziges Wasser von Flüssen und ungeschützten Brunnen. Ausserdem
haben sie praktisch keine Toiletten. Wir sind also los, um für unsere
Leute, umgesiedelte ehemalige Farmarbeiter, eine gute Lösung zu finden.
Zusammen mit Vertretern der lokalen Behörden und Vertretern der Bevölkerung
haben wir uns auf Standorte für 4 Bohrungen geeinigt. Für mehr haben wir
momentan kein Geld. Mit diesem Vorschlag sind wir dann zur
Distrikt-Administratorin. Sie dankte uns für unser Engagement und teilte
uns höflich mit, „dass sie uns leider nicht erlauben könne, dort Bohrungen
für die Bevölkerung zu machen. Es sei ihr bewusst, dass sauberes Wasser ein
Menschenrecht sei, aber die Siedlungen seien nun mal illegal und man sei
daran, zu entscheiden, ob und wohin die Leute umgesiedelt werden sollen.“
Die Leute sind seit fast 10 Jahren dort. Ohne Unterstützung. Sie haben sich
ihre Häuser gebaut, bauen sich eigene Schulen, bauen Land an. Wieso könnte
wohl jemand nach 10 Jahren entscheiden, dass diese Leute wieder weg müssen?
Die Antwort ist wie immer: Politik. Die einen Siedlungen sind auf Land, das
ein ehemaliger Premierminister haben möchte, um seine Farm zu vergrössern.
Andere Siedlungen liegen entweder auf einem sehr ergiebigen Kupferverkommen
oder zu nahe an einem Erdölfeld. Das hat uns die Dame natürlich nicht
gesagt. Das haben wir aus anderen Quellen erfahren. Nun fragt man sich, wie
lange es wohl gehen wird, bis die Farm erweitert wird bzw. die Kupfer und
Erdöl Vorkommen ausgebeutet werden, wenn der Staat kein Geld hat… Wir
müssen irgend eine Lösung finden, die Menschen dort brauchen dringend
Unterstützung. 

Umzugspläne
Das war das Berufliche, jetzt das Private: Letzte Woche ist unsere
Vermieterin, Ines, aus Australien zurück gekommen… Liz und ich sind mal
wieder daran, uns zu verstecken, wenn wir zu Hause sind, und sehr bemüht,
so selten wie möglich zu Hause zu sein… Ich hatte sowieso vor, in ein paar
Wochen das Haus zu wechseln. Liz, meine WG-Kollegin, geht Mitte April
zurück nach Amerika, weil ihr Vertrag abgelaufen ist, und ein Kollegin von
IOM hat ein Haus, das für sie alleine zu gross ist und es mit mir teilen
möchte. Ich hab sowieso genug von diesem Haus, weil es einfach zu teuer
ist. Ständig ist etwas kaputt und wir können alle Reparaturen zahlen.
Jetzt, wo Ines zurück ist, und wieder im angebauten Appartement neben dem
Haus wohnt, werden wir wohl schon vor Ende März einen neue Bleibe suchen.
Die Anwesenheit von Ines ist schon genug, um Liz und auf die Palme zu
treiben. Ich kann gar nicht beschreiben, wieso genau sie uns so widersteht,
aber es ist nun mal so. Zum Glück haben wir beide einen Ausweg!

Weihnachtsferien in Amman
Das war die Gegenwart, aber ich habe ja noch ein Lücke in der
Vergangenheit zu schliessen. Über Weihnachten habe ich einen Kollegen der
DEZA in Jordanien besucht. Der Hinflug war schon mal suboptimal. Mit 3
Stunden Verspätung haben wir Harare verlassen. Natürlich habe ich meinen
Anschlussflug in Addis Abeba (Äthiopien) verpasst. Erste Information:
nächster Flug in 24 Stunden. Das Glück war mir aber treu und nach langem
hartnäckigen Verhandeln mit Ethiopien Airlines wurde ich auf einen anderen
Flug gebucht und bin früher als geplant in Amman gelandet. Leider ohne
Gepäck. Das komme morgen. Morgen kam es natürlich nicht. Es sei noch in
Addis und komme am Abend. Am Abend kam es wieder nicht. Am Morgen fuhren
wir zum Flughafen, in der Hoffnung, etwas zuverlässige Informationen zu
bekommen. Dort hiess es, mein Gepäck sei jetzt in London und komme um
Mitternacht an. Um Mitternacht kam es aber auch nicht… 

Petra
Nun hatten wir langsam genug von Amman und entschieden, unseren ersten Teil der Touri-Tour
zu starten. Ich kaufte die nötigsten Kleider und los ging’s nach Petra. Die
Busfahrt war recht angenehm und erstaunlich billig. In Petra trafen wir auf
einen netten Taxichauffeur, der uns sofort Essen besorgte und uns von
„Petra by Night“ erzählte. Er versprach uns, die Tickets zu besorgen und
uns am Abend pünktlich im Hotel abzuholen. Hörte sich toll an! In der
Zwischenzeit besichtigten wir Petra. Beeindruckend. Die Schlucht, die
Tempel, die Aussicht vom Berg aus, wow! Einen Teil von Petra schaute ich
dann vom Kamel-Sattel aus an, weil ich von den neuen Schuhen Blasen hatte…
Einen Teil des Rückwegs machte ich auf einem Pferdchen (oder war’s ein Esel
oder ein Maultier? Egal). Nach dem Abendessen wartete der Taxifahrer mit
den Tickets für „Petra by Night“ auf uns. Das kann ich jedem empfehlen. Es
ist sehr eindrücklich, im Dunkeln die Schlucht hinunter zu laufen, die mit
Kerzen beleuchtet ist und dann vor der ebenfalls von Kerzen beleuchteten
Schatzkammer (Indiana Jones, der letzte Kreuzzug) einen Tee zu trinken und
jordanischer Musik zu horchen!

Wadi Rum
Am nächsten Morgen ging’s mit unserem Taxifahrer nach Wadi Rum. Dort
stiegen wir in einen Jeep um, mit dem wir durch die Wüste chauffiert
wurden. Uns wurde am Anfang gesagt, der Beduine, der uns fährt sein kein
Führer sondern nur ein Fahrer. Er spreche nur sehr wenig Englisch. Das war
ein bisschen übertrieben, ich glaube nicht, dass er mehr als „hello“
kannte. Die Wüstentour war interessant. Ein paar Ruinen, ein paar
Felsritzereien, viel Sand, einige Dünen und spektakuläre Felsformationen.
Am Nachmittag sind wir im Sunset-Camp angekommen. Das ist ein „Beduinen
Camp für Touris“. Recht schön gemacht, aber die Betreuung liess ein
bisschen zu Wünschen übrig. Unser Fahrer setzte uns ab und verschwand
irgendwo hinter den Dünen. Ok. 3 Stunden später waren wir dann nicht mehr
alleine mit dem Koch und dem Handlanger. Der Sonnenuntergang war sehr
schön, das Abendessen ausgezeichnet und dann waren wir wieder auf uns
alleine gestellt. Im zentralen Zelt brannte ein gemütliches Feuer und nach
ein paar Tässchen Tee mit den zwei anderen Touris und einem Deutscher, der
ein paar Wochen im Camp arbeitete war dann Nachtruhe. Das war der
Weihnachtsabend. Auf dem Rückweg zum Ausgangsort liessen wir uns von
Kamelen schaukeln. Mann, war ich froh, als wir nach 2 Stunden endlich am
Ziel waren! Alles in Allem war der Ausflug ganz nett, nur vom Camp war ich
ein bisschen enttäuscht. Ich hatte gehofft, dass am Abend ein bisschen
Unterhaltung geboten wird, ein bisschen Musik oder so. 

Aqaba
Unser nächstes Ziel war Aqaba wo wir nur ein paar Stunden verbrachten,
bevor wir wieder den Bus zurück nach Amman bestiegen. Zurück in Amman
versuchten wir wieder mein Gepäck zu kriegen. Am Telefon hiess es, das
Gepäck sei jetzt am Flughafen in Amman und werde noch am selben Abend mit
dem Kurier am unsere Adresse gebracht! Wir haben also gewartet. Um 23 Uhr
war noch kein Gepäck da, also rief ich nochmals am Flughafen an. Der gab
mir die Nummer vom Kurier. Nein, er habe mein Gepäck nicht dabei. Man habe
ihm gesagt, der Koffer bleibe noch am Flughafen. Hä? Am Flughafen war
natürlich niemand mehr erreichbar. Am morgen rief ich wieder an. Sie sollen
das Gepäck gefälligst dort behalten, bis ich es selber abhole! Es reicht
jetzt! Dann hatte ich mein Gepäck endlich wieder. Nach 6 Tagen! Besser spät
als nie!!!

Jerash, Totes Meer, Kerak, Wüstenschlösser und Syrien. Oder doch nicht?
Weitere Tagestrips in Jordanien waren: Jerash, Totes Meer, Kerak und
einige weniger bekannte Orte, die am Weg lagen. Eigentlich wollten wir auch
noch 2 Tage nach Syrien, aber die haben mich nicht über die Grenze
gelassen. Auf der syrischen Botschaft in Amman hiess es, das Visum bekomme
man an der Grenze und and der Grenze hiess es, das Visum müsse man auf der
Botschaft machen… Dann liessen wir das mit Syrien halt sein.

Am 30. Dezember am späteren Nachmittag war mein Rückflug nach Harare fällig. Am
Vormittag zeigte uns unser Touristen-Führer, der uns schon ans Tote Meer
und nach Kerak gefahren hat, noch die Wüstenschlössern und organisierte uns
ein typisches Essen, das wir wahrscheinlich mindestens 10-fach überzahlt
haben. Aber gut war’s!

Der Rückflug: wieso nicht einfach einfach...
Der Rückflug lief selbstverständlich auch nicht problemlos. In Kairo war
unser Anschlussflug verspätet. Anstatt um 2 Uhr morgens, flogen wir um 6
Uhr morgens weiter nach Addis, wo wir natürlich wieder den Anschlussflug
verpassten. Diesmal hatte ich weniger Glück und musste das von Ethiopien
Airlines offerierte Hotelzimmer beziehen. Vorher hatte ich aber noch mein
Gepäck verlangt. Es war sogar da! Das war der 31. Dezember. In Äthiopien
ist Neujahr irgendwann in September. Es war also nicht wirklich viel los!
Am nächsten Morgen ging’s wieder zum Flughafen, einchecken. Auf meinem
Gepäckkleber stand „Lusaka“, also ging ich zurück zum Schalter und fragte,
wieso mein Gepäck nicht mit mir nach Harare kommen soll. Der Mann am
Schalter schaute mich komisch an und fragte zurück „sind sie sicher, dass
sie nach Harare fliegen, Ms. Zulu?“ Nein, ich hab nicht geheiratet! Am Tag
vorher wurden die Bording Pässe für die neuen Anschlussflüge verteilt. Ich
war so müde, dass ich nicht kontrolliert habe, ob alles richtig ist… Ich
kriegte dann den richtigen Bording-Pass und mein Gepäck, das bereits im
Schwarzen Loch hinter dem Check-In verschwunden war, kriegte offensichtlich
auch den richtigen Kleber. Er kam jedenfalls mit mir in Harare an. Als ich
am Flughafen auf mein Taxi warte, fiel mir wieder mal auf, dass sich
Simbabwe irgendwie einfach gut anfühlt. Das ging mir schon so, als ich von
Namibia zurück kam. Kaum laufe ich durch den Flughafen in Harare gehen die
Mundwinkel hoch. Wenn man sich umschaut bemerkt man, dass es vielen anderen
auch so geht. Die Leute lächeln und machen einen zufriedenen Eindruck. Das
scheint ansteckend zu sein! Ihr könnt euch gerne selber davon überzeugen.
Simbabwe ist definitiv eine Reise wert.

So war's nicht geplant!
Nach knapp einer Woche im Büro bzw. im Feld ging’s dann schon wieder
weiter. Diesmal in die Schweiz!!!! Mein erster Vertrag war Mitte Januar
fertig und ich hatte um 3 Wochen Unterbruch vor dem 2. Vertrag gebeten, um
in der Schweiz abzuklären, was mit meinem Rücken los ist. Ich hatte seit
einiger Zeit Ausstrahlungen ins rechte Bein und ein taubes Gefühl in den
Zehen. Den ersten Arzttermin hatte ich schon von Simbabwe aus organisiert.
Nach knapp 4 Tagen in der Schweiz war’s klar, MRI-Befund:
Bandscheibenvorfall. Toll! Wir versuchten es mit Physio, Massagen und
Cortison, aber ich konnte natürlich nicht zu Hause Rumsitzen und brav sein.
Ich war doch in der Schweiz um Freunde und Familie zu sehen, um Dinge
einzukaufen, die ich in Simbabwe nicht kriege. Schlussendlich gab’s keine
andere Lösung als mich ins Spital zu stecken, wo ich fast 2 Wochen lang mit
Cortisonspritze, Therapien und RUHE wieder fit gemacht wurde. Eine
Operation konnte ich vermeiden. Diesmal jedenfalls! Aber aus meinem
3-wöchigen Aufenthalt in der Schweiz wurden 5 Wochen. Jetzt bin ich seit
Mitte Februar wieder in Simbabwe und sehr zufrieden mit meinem Rücken. Die
Feuertaufe mit Naturstrassen und vielen Schlaglöchern hat er letzte Woche
auch gut überstanden. Ich bin zuversichtlich!

Wie könnte es anders sein, ich bin schon wieder am planen fürs lange
Osterwochenende. Wahrscheinlich geht’s mit Arbeitskollegen von IOM irgendwo
zum Campen. Am 30. April fliege ich dann auch schon wieder für 2 Wochen in
die Schweiz. Ich muss mein Moped wieder mal bewegen, bevor es Standschäden
kriegt!!! Also: wer mich im Januar/Februar nicht oder zu wenig gesehen hat,
hat vielleicht im Mai eine Chance! ;-)

All the best!!!


Eveline.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

6. Newsletter

Die Zeit vergeht wie im Flug! Die Arbeiten verzögern sich, und vor Weihnachten muss noch einiges gemacht werden… Macht nichts, hier spürt man nicht viel von der Vorweihnachtszeit. Der Schnee fehlt, was mir persönlich entgegen kommt, ist zu kalt ;-)!

Victoria Falls
Wie bereits im letzten Newsletter angekündigt war ich in den letzten Wochen vermehrt als Tourist unterwegs. Zuerst ging’s nach Victoria Falls für ein verlängertes Wochenende mit einem Freund aus der Schweiz. Dank meinem mittlerweile Ex-Chef (davon später) und seinen Beziehungen konnten wir zu einem ziemlich vernünftigen Preis in einem sehr schönen Hotel buchen: Elephant Hills. Der Flug mit Air Zimbabwe war absolut problemlos. Alles lief rund, wir waren sogar pünktlich! Das Programm fürs Wochenende war ziemlich voll gestopft. Zuerst Sunset Cruise ohne Sunset – es hat geregnet – aber dafür mit vielen Hippos. Dann am morgen eine Kanu-Tour auf dem Zambezi. Vor dem Wassern wurden wir aber darauf hingewiesen, dass wir doch bitte versuchen sollten, nicht aus dem Kanu zu fallen, weil statistisch gesehen alle 10 Meter ein Krokodil wartet und Hippos sind auch nicht zu unterschätzen. Dann ging’s los. Immer schön einen Bogen um die Hippos machen. Die kleinen Stromschnellen waren lustig. Hippos sind die in der Regel Gewohnheitstiere und meist an den selben Stellen zu finden. Ausser zwei Bullen, die anscheinend einen Revierkampf am Laufen hatten. Die hatten keinen bessern Ort gefunden als mitten in den Stromschnellen zu tauchen. Genau in unserem Pfad! Zum Glück hat der Guide die zwei früh genug entdeckt, sodass wir alle rechtzeitig ans Ufer paddeln und unsere Kanus in einen Seitenarm tragen konnten. Am Nachmittag wurden wir zu den Wasserfällen geführt. Leider hatte es nicht sehr viel Wasser, weil es Ende der Trockenzeit war. Dafür hat man besser gesehen, wie spektakulär die Wasserfälle wären, wenn’s denn Wasser hätte. Für das Nachtessen wurde uns ein Lokal empfohlen, in dem man traditionelle Gerichte essen könne. Hmm (mit Strinrunzeln). Am Eingang wurde man schon mal mit einem Tuch behängt und geschminkt. Wäre fast wieder umgekehrt… Guter Anfang! Leider hat sich der Abend nicht verbessert. Das Lokal selbst war sehr schön und das Essen ok. Aber das ganze touristische Tam Tam war einfach zu viel. Zum Schluss wurde uns noch ein traditioneller Drink angeboten. Mit Vodka!!!??!!?? Zimbabwe!!???!!!!? Am nächsten Morgen gab’s noch eine Führung durchs Hotel und anschliessend an den Flughafen und zurück nach Harare.

Mana Pools
Nach 10 Tagen arbeiten ging dann richtig los mit Ferien. Zuerst 4 Tage Mana Pools. Ein Nationalpark im Nordwesten von Zimbabwe an der Grenze zu Zambia. Diesmal waren wir zu viert. Meine WG-Kollegin Liz und zwei ihrer Freunde, Forbes und Jennie. Auf der 4-stündigen Autofahrt wurden wir an einer der vielen Strassensperren der Polizei aufgehalten. Das ist nicht unüblich. Was uns aber sehr überraschte war, dass der Polizist uns fragte, ob wir Waffen dabei hätten. Wir hätten fast alle laut gelacht, weil wir auf diese Frage nun gar nicht vorbereitet waren. Nachdem wir verneint hatten, fragte er uns, ob er das Auto durchsuchen könne. Wir: na klar, aber wenn möglich bitte schnell, wir müssen unser Schiff erwischen. Das hat er jetzt wahrscheinlich nicht erwartet. Nach kurzem zögern meinte er, wir können weiterfahren, er suche dann das nächste Mal nach Waffen ;-). In Chirundu angekommen ging’s mit dem Schnellboot weiter zum Camp, welches direkt am Zambezi liegt. Ruckomechi Camp, sehr empfehlenswert! Im Preis inbegriffen sind fast alle Getränke, alle Mahlzeiten und zwei Aktivitäten pro Tag! Im Angebot waren: Sunset Cruise auf dem Zambezi (mit Apéro auf einer Sandbank und einem Spaziergang an Land, weil der Guide so fasziniert war von einer Horde Elefanten und sie aus der Nähe sehen wollte), Nacht-Safari im Auto, normale Safari (Löwen aus nächster Nähe, Elefanten, Antilopen, Zebras, das obligatorische Apéro zum Sonnenuntergang, etc.), Kanu Trip (weniger spektakulär als in Vic Falls) und der Spaziergang (so sieht man auch die kleineren Tiere und Pflanzen). Nachts darf man nicht ohne bewaffneten Guide von Zelt zu Zelt laufen. Zuerst dachten wir, das sei ein bisschen übertrieben. Als wir aber während der Siesta mal über die Schulter geschaut haben, stand doch da tatsächlich ein Elefant wenige Meter hinter uns. Ok, da waren noch ein paar Holzlatten zwischen uns. Es war trotzdem sehr eindrücklich. Die sind unglaublich leise! Am nächsten Tag war wieder ein Elefant im Camp. Der war allerdings etwas übler gelaunt. Die Vorsichtsmassnahmen sind gerechtfertigt. In der Nacht kommen nämlich auch die Löwen ins Camp. Mana Pools war ein grossartiges Erlebnis und wir sind sicher nicht zum letzten Mal hier gewesen!

Namibia
Am Sonntag waren wir zurück in Harare. Braeden, die andere WG-Kollegin stand schon mit gepackten Koffern bereit, weil ihre Zeit in Zimbabwe abgelaufen war und sie nach Kinshasa weiter zog. Am Montag ging’s für mich auch weiter. Um 5 Uhr morgens wurde ich vom Taxi abgeholt und zum Flughafen gebracht. Meine ersten Ferien alleine. Namibia: ich komme!!! Oder doch nicht? Zur Check-In Zeit wurde uns mitgeteilt, dass wir leider noch ein bisschen warten müssen, da unser Flugzeug noch in Johannesburg sei. Eigentlich hätte unser Flugzeug am Abend vorher nach Harare fliegen sollen. Da die Pistenbeleuchtung am Flughafen in Harare nicht funktioniert hatte, musste das Flugzeug in Johannesburg bleiben… Macht nichts, ich hab genug Zeit zum Umsteigen in Johannesburg. Endlich in Windhoek angekommen konnte ich mein Mietauto abholen. VW Chicco, oder so. Sieht aus wie ein Golf. Nachdem ich mich nach einem guten Ort zum Übernachten auf halber Strecke zum Etosha Park erkundigt hatte, fuhr ich los. Die angekündigten 2 Stunden bis zum Übernachtungsort waren schlussendlich 3.5 Stunden. Als ich um 10 Uhr nachts ein B&B gefunden hatte war ich ziemlich froh und müde. Obwohl die Strassen kaum Kurven haben muss man trotzdem immer wachsam sein, da jederzeit ein Warzenschweiz, Kudu oder sogar ein Elefant auf die Strasse rennen könne. Am morgen früh ging’s weiter. Schon auf den ersten paar hundert Metern im Etosha Park habe ich fast mehr Tiere gesehen als in den 4 Tagen in Mana Pools. Nach den ersten paar hundert Metern war auch die Teerstrasse zu Ende. Obwohl ich eigentlich ein paar Wochen zu spät im Park war, habe ich trotzdem viele Tiere gesehen. Die Wasserlöcher waren nicht so überlaufen wie sie in der Trockenzeit sind, dafür waren die Zebras und Elefanten verspielter! Am zweiten Tag im Park wollte ich eigentlich den Osten abklappern. Als die Wolken immer dunkler wurden und es angefangen hatte zu regnen, bin ich zurück, weg von den Wolken, da ich mit meinem VW nicht in einem Matschloch stecken bleiben wollte. Das Glück war auf meiner Seite, denn durch die Programmänderung war ich genau zur richtigen Zeit am richten Ort um die Löwen direkt neben der Strasse zu sehen! Den Osten habe ich dann am Tag darauf gemacht. Der Regen hat einige Strecken ziemlich aufgeweicht. Vor allem eine lange Gerade in einer Senke. Ich habe Blut geschwitzt, bis ich das Ende vom Matsch erreicht hatte. Da war ich mal wieder froh, dass ich den Winterfahrkurs vom TCS gemacht hatte! Lustigerweise war die Strasse am Ende vom Matsch gesperrt. Da hab ich mich natürlich gefragt wieso. Ist es wegen dem Matsch, und sie haben vergessen, auf der anderen Seite zu sperren, oder ist es wegen etwas, das noch vor mir liegt? Ich habe entschieden, weiterzufahren. Durch den Matsch wollte ich nicht mehr zurück. Kurz darauf rannte dann ein Elefantenbulle auf mein Auto zu. Ups. Schnell den Rückwärtsgang rein und langsam zurückfahren. Das hilft meistens, wenn’s ein Männchen ist. Hab ich in der Zwischenzeit gelernt. Es hat geholfen. Allerdings hat mich der Bulle eine Viertelstunde lang nicht vorbei gelassen. Da hatte ich ganz ehrlich doch ein bisschen Angst. Leider sind die Lodges im Park nicht sehr gut. Es hat zu viele Touristen und sie sind nicht darauf angewiesen, dass die Gäste zufrieden sind. Der Service war entsprechend. Alles in Allem: Etosha war super. Auf der Rückreise hatte ich wieder einen längeren Aufenthalt in Johannesburg. Wir wurden pünktlich zum Boarden aufgefordert, doch nach einer halben Stunde in der Schlage hat’s geheissen: der Flug wurde abgesagt, weil die Pistenbeleuchtung in Harare nicht funktioniert. Das kommt mir irgendwie bekannt vor! Wir durften somit auf Kosten der Fluggesellschaft eine Nacht in Johannesburg verbringen.

Wer ist jetzt der Chef?
Zurück in Harare stand eine wichtige Woche vor mir. Die letzte Woche meines Chefs. Sein Vertrag war abgelaufen. Ich habe in dieser Woche die 7 Projekte übernommen und noch soviel Wissen wie möglich aus ihm rausgesaugt. Jetzt liegts an mir! Jetzt bin anscheinend ich der Chef… Den Papierkram muss ich jetzt erledigen. Das heisst, die schöne Zeit im Feld ist für mich mehr oder weniger vorbei. Schade!

Und schon wieder: Ferienplanung
Während der Weihnachtszeit werde ich in Amman eine Arbeitskollegen des SKH besuchen. Das Programm hört sich super an: Petra, Aqaba, Wadi Rum, Totes Meer und Damaskus, wenn sie uns über die Grenze nach Syrien lassen. Schon wieder Ferien denkt ihr wohl. Glaubt mir, ich hab sie verdient, auch wenn sich der Newsletter nicht so anhört!

Die Zukunft, oder: Ich hab's dir ja gesagt!
Und jetzt kommt der schwierige Teil des Newsletters: Ich bleibe vorerst in Zimbabwe. Mein Vertrag wurde um 9 Monate verlängert. Das wird einigen von euch nicht gefallen. Sorry. Mir gefällt der Job, das Land und die Leute. Ich bin glücklich hier! Trotz den vielen Schwierigkeiten bei der Arbeit und mit dem Haus. Klar vermisse ich einiges in der Schweiz: Familie, Freunde, Arbeitskollegen, mein Moped und den Luxus der Zuverlässigkeit. Die Verlängerung und eine schöne Summe der DEZA für meine eigenes Projekt bieten mir eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen kann. Einige von euch haben mir vor meiner Abreise schon gesagt, dass ich nicht so schnell zurück kommen werden. Ich hab’s euch nicht geglaubt. Ihr hattet recht! Ich gebe einen guten Job in der Schweiz auf und stürze mich ins „Ungewisse“. Was werde ich nach den 9 Monaten machen? Keine Ahnung, aber ich bin sicher, dass sich irgendwo eine Tür öffnen wird. Meine Entscheidung fühlt sich jedenfalls richtig an.

Schweiz, ich komme (kurz)
So wie es momentan aussieht, werde ich im Januar für 2-3 Wochen in der Schweiz sein und hoffe, dass ich in dieser Zeit so viele wie möglich von euch wieder sehen werde!
Liebe Grüsse und eine schöne Weihnachtszeit!
 
Eveline.
 
Links zu meinen Ferienfotos:
Etosha Park
http://www.facebook.com/album.php?aid=2043964&id=1391978303&l=75406b2488

Donnerstag, 29. Oktober 2009

5. Newsletter

Halbzeit ist um. Die Zeit vergeht rasend schnell. Viel zu schnell! Die Projekte sind noch nicht soweit, wie sie sein sollten und ich müsste noch ca. 4 Wochen Ferien plus ein paar Kompensationstage einziehen… Muss mir wohl 2 Wochen Ferien ans Bein streichen. Munyama (= Bad Luck)!

Ferienplanung
Trotzdem ist jetzt Zeit, ein - zwei Auszeiten zu nehmen. Meine letzten Ferien waren an Weihnachten… Nachdem ich meinen Pass endlich mit der Visa-Verlängerung vom Ministerium zurück habe, kann ich planen. Hat nur 3 Monate gedauert… Ich wurde langsam nervös, weil ich nur ein 1-Monats-Visum hatte. Am Wochenende geht’s endlich nach Victoria Falls mit einem Freund aus der Schweiz, der für ein verlängertes Wochenende zu Besuch kommt. Mitte November scheint der Trip nach Mana Pools doch endlich zu klappen und anschliessend fliege ich für eine Woche nach Namibia, wo ich den Etosha-Park geniessen werde. Freue mich!!!

Die Arbeit
In der Zwischenzeit heisst’s aber arbeiten, arbeiten, arbeiten. Inklusive an den Wochenenden. Jetzt ist es Zeit, das Projekt auf den zweiten Distrikt auszuweiten. Selbstverständlich liegen die beiden Distrikte nicht wirklich günstig. Der eine ist ganz im Norden (Muzarabani), der andere ganz im Osten (Chipinge) des Landes. Und natürlich liegen beide in Gebieten, wo es mittlerweile 35-45 °C heiss ist. Zum Glück muss ich nicht körperlich arbeiten. Schatten suchen ist schon anstrengend genug. Keine Ahnung, wie das meine Mannen machen, die bei diesen Temperaturen Schwerstarbeit verrichten müssen!
Neben dem Beginn im zweiten Distrikt fangen die Workshops für die Benützer der Handpumpen an. Ihre Aufgabe ist es, für den präventiven Unterhalt und kleinere Reparaturen zu sorgen. Ausserdem werden sie in Gesundheits- und Hygiene-Zeug, etc geschult. Das ist logistisch ein schier unlösbares Problem. Wir haben zu nicht genügend Leute und zu wenige Fahrzeuge. Trotzdem müssen wir irgendwie versuchen, den engen Zeitplan einzuhalten. Wird schon schief gehen!

Besuch aus Bern
Diese Woche ist eine Delegation vom Hauptquartier in Bern hier. Am Sonntag durften wir ihnen unser Projekt zeigen. Diesen Trip haben sie freundlicherweise in ihr sowieso schon sehr volles Programm reingequetscht. Sie waren ziemlich beeindruckt, vor allem, als sie erfahren haben, dass ich 4 Tage pro Woche dort im sehr abgelegenen Backofen bin und die Arbeiten überwache. Anscheinend hatten in Bern ein paar Leute das Gefühl, dass ich nach 3 Wochen aufgebe und um einen Rückflug in die Schweiz bettle… Sorry!

Andere Länder, andere Sitten
Die Arbeit hier ist nicht immer einfach. Immer wieder steht man vor Problemen, die eigentlich keine sein sollten. Disziplin und Genauigkeit sind hier nicht sehr weit verbreitet. Man kann nicht erwarten, dass Leute ihren Job machen (ich spreche nicht (nur) von lokalen Leuten). Immer muss man nachfragen und die Leute unter Druck setzen, damit sie die selbstverständlichsten Arbeiten erledigen. Gleichzeitig muss man aufpassen, dass man sie nicht verärgert, sonst machen sie gar nichts mehr. Ok, das ist jetzt vielleicht ein bisschen überspitzt formuliert, aber diese Woche war extrem…

Highlights
Zum Glück gibt’s natürlich auch die Highlights, die aufbauen. Die Dankbarkeit der Leute in den Dörfern, denen wir nach Jahren Dreckwasser wieder den Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen (Klischee aber wahr). Das Klo ist (quasi) fertig und die Regierungsbehörde ist begeistert! Abende mit Freunden, mit denen man Erfahrungen austauschen und ein bisschen lästern kann (hilft immer!). Lokale Kollegen, die uns sagen, dass sie unsere Art zu Arbeiten schätzen. Oder so scheinbar unbedeutende Dinge wie das Per-Du mit dem Schweizer Botschafter und Facebook-Chats mit Freunden.
Diesmal belästige ich euch nicht so lange wie üblich. Hoffe, dass es euch allen gut geht und freue mich immer über Neuigkeiten aus der Schweiz!
Liebe Grüsse,
 
Eveline.

Samstag, 26. September 2009

4. Newsletter

Grüezi mitenand!

Seit meinem letzten Newsletter sind drei Anfragen eingegangen:

1. Wie ist Simbabwe landschaftlich?
Was ich bisher von Simbabwe gesehen habe gesehen habe gefällt mir
ausgezeichnet. Harare ist eine sehr grüne bzw. jetzt im Frühling farbige
Stadt. Die Grundstücke sind sehr grosszügig mit vielen Bäumen, die Blüten
in allen Farben haben. Manchmal frage ich mich, ob es so viele Bäume hat,
um die heruntergekommenen Häuser zu verstecken…

Ausserhalb Harare, zumindest Richtung Osten und Norden, wechseln sich
Ebenen mit meist brachliegenden Feldern und hügelige Gegenden ab. Die Hügel
sind manchmal der kahle Fels mit diesen typischen rund verwitterten Blöcken
oder mit Büschen und Bäumen bewachsen und leuchten aus der Ferne momentan
in allen Farben. Die Berge bei Mutare im Osten des Landes sind dicht
bewaldet und Affen tummeln sich in den Bäumen.

Die dominanten Farben sind das Gelb des trockenen Grases, das Hellbraun und
Rot der Erde, das Grün der Bäume und natürlich das Blau des Himmels.
Letztes Wochenende hat es zum ersten Mal seit ich hier bin „geregnet“. Alle
haben sich gefreut, nur wir nicht. Wir wollten die Aussicht von den Bergen
geniessen… Die Ebenen südlich von Mutare und nördlich von Harare an der
Grenze zu Mozambique sind extrem heiss und trocken. Bäume sind seltener,
dafür hat’s viele riesige Baobabs! Wir stoppen immer wieder, um Früchte zu
pflücken. Keine Ahnung, wie die heissen, hab die noch nie gesehen. Die
Strassen sehen aus wie Bachbette und immer wieder muss man Erosionsrinnen
durchqueren, die während der Regenzeit entstehen. Brücken gibt’s praktisch
keine mehr, bzw. nur noch Überreste.

Das ist so etwa das, was ich bisher gesehen habe.


2. Wie ist das WG Leben in Harare?
In der Zwischenzeit sind wir im Haus zu dritt und wie sich herausstellte,
ist Liz gar keine Norwegerin sondern Amerikanerin. Hab mich gewundert, dass
sie ein so typisches Amerikanisch-Englisch spricht… That’s why! Liz
arbeitet aber für eine Norwegische Organisation, deshalb die Verwirrung. In
Simbabwe ist sie „Gender Advisor“. Sie sagt, dass es sie hier gar nicht
brauche. Nicht weil es hier diesbezüglich keine Probleme gäbe, im
Gegenteil. Gewalt gegen Frauen ist ein sehr grossen Problem (Mami und
Grossmamis: es betrifft praktisch nur Einheimische, entspannt euch also!).
Es gibt allerdings bereits genügend gut ausgebildete lokale Leute, die auf
diesem Gebiet arbeiten. Die Dritte im Bunde ist ebenfalls Amerikanerin.
Braiden arbeitet für US AID und evaluiert für einen amerikanischen
Geldgeber, ob das Geld auch vernünftig eingesetzt wird. Sie ist nur für ca.
3 Monate hier und zieht im November weiter nach Kinshasa.

WGs sind wohl international relativ ähnlich. Es hat Vor- und Nachteile. Ein
Vorteil ist natürlich, dass man sich die allgemeinen Kosten teilen kann.
Die Miete für das Haus ist zwar nur 1000 US$ + ca. 100 US$ Nebenkosten,
aber trotzdem. (Die Nebenkosten sind übrigens interessant. Rechnungen
werden praktisch keine verschickt. Zahlen muss man trotzdem. Man zahlt
einfach mal was. 10 US$ fürs Wasser. Wir haben zwar kein Wasser von der
Stadt, falls sie die Wasserversorgung aber irgendwann wieder in den Griff
kriegen, können sie uns so wenigstens nicht den Anschluss abstellen und wir
können uns dann den Strom für die Grundwasserpumpe sparen.) Der grösste
Vorteil ist aber, dass Liz seit Jahren „humanitär“ unterwegs ist, und zwar
in den wüstesten Ländern. Dadurch kann ich einiges von ihr lernen und es
ist immer spannend, wenn sie mal wieder einer ihrer Geschichten erzählt.
Ausserdem sind einige ihrer Freunden von früheren Einsätzen zurzeit in
Simbabwe, und so lerne ich diese auch kennen. Hoch spannend!

Nachteil gibt’s kaum. Wir sind nicht alle gleich ordentlich, aber das macht
nichts, da zum Haus 2 Angestellte gehören, eine Haushälterin und ein
Gärtner. Sie sind ein Paar und haben eine 8 Monate alte Tochter. Es ist für
uns alle drei neu, Angestellte zu haben. Wir wollten sie aber nicht
entlassen und ausserdem sind ihre Gehälter lächerlich klein, obwohl wir sie
mehr als verdoppelt haben… Ausserdem zahlen wir das Schulgeld für ihre
anderen 3 Kinder, und einiges mehr. Bengisia macht für uns den Haushalt,
mit Melissa auf dem Rücken und Lazarus kümmert sich um den Garten, den Pool
und hilft uns, wenn die Boiler mal wieder spinnen oder wir eine Tür nicht
auf kriegen ;-).


3. Wann beginne ich endlich zu Arbeiten für mein Geld?
Ok. Vielleicht habe ich mich in der Vergangenheit etwas undeutlich
ausgedrückt. Wir arbeiten hier! Tag für Tag! Es ist hier einfach etwas
komplizierter als in der Schweiz, da wir die Strukturen nicht wirklich
kennen und die lokalen Arbeitskollegen teilweise (zum Glück nur teilweise)
keine grosse Hilfe sind. Auf die Frage: habt ihr jetzt alles, was ihr
braucht? Die Standardantwort ist grundsätzlich JA, auch wenn’s Nein ist.
Wenn man dann später nachfragt, wie weit sie sind, heisst’s: ich brauche
noch dies und jenes um zu beginnen… Es dauert halt alles ein bisschen
länger. Aber wie man weiss, ist eine gute Vorbereitung generell wichtig.
Vor allem, wenn man fremdes Geld ausgibt, und dann noch ziemlich viel
davon. Für die Rehabilitierung der Bohrungen haben wir immerhin fast
200'000 US$ zur Verfügung, und das ist nur eines unserer Projekte (ist
übrigens kein Schweizer Geld, ausser die Löhne etc. von meinem Chef und
mir...). Diese Vorbereitungen verlangen unzählige Meetings mit den
Auftragnehmern, Produzenten, Lieferanten und intern mit der
Rechtsabteilung, der Finanzabteilung und anderen Abteilungen, Verträge und
schriftliche Abmachungen mit allen möglichen und unmöglichen Parteien. Und
dann kommen natürlich noch die Verhandlungen mit den Leuten hinzu, die von
den Projekten profitieren, die Regierung, die lokalen Behörden und die
Einwohner bzw. unsere Zielgruppe, die Binnenflüchtlinge (ehemalige
Farmarbeiter, die wegen Mugabes Landreform vertrieben wurden und
Überschwemmungsopfer, die umgesiedelt wurden). Schliesslich sind wir auf
deren Zusammenarbeit angewiesen und möchten, dass sie nach Abschluss
unserer Arbeiten die Verantwortung für die Bohrungen übernehmen. Das ist
jedenfalls die Idee dahinter. Während meinen Besuchen in Dörfern in unseren
zwei Distrikten habe ich gesehen, dass das teilweise bereits wirklich gut
klappt, und teilweise halt überhaupt nicht... Der Auftragnehmer ist in der
Zwischenzeit im Projektgebiet angekommen und hat diese Woche mit den
Rehabilitierungen begonnen. Leider war es mir nicht möglich, dabei zu sein,
da mir diese Woche nicht erlaubt wurde, zu reisen… Bürokratie… Da ich von
der DEZA an UNICEF und von UNICEF an IOM ausgeliehen wurde, war nicht ganz
klar, wer den nun zuständig für mich ist… Bis vorletzte Woche konnte ich
mich irgendwie durchmogeln und alles Nötige vor Ort vorbereiten. Letzte
Woche war dann aber Schluss. Gestern wurde allerdings ein Dokument
unterzeichnet, das alles Regeln sollte. Hoffen wir’s! Zum Glück konnten
meine Kollegen das Projekt starten, die durften nämlich reisen. Wir können
uns keine weitern Verzögerungen mehr leisten, weil wir vor der Regenzeit im
November fertig sein sollten. Die meisten Bohrungen sind dann nämlich für
Fahrzeuge nicht mehr zugänglich.

Da wir hier wirklich, ganz ehrlich genug Arbeit haben, mussten wir auf den
1. September zwei zusätzliche Assistenten einstellen, die uns bei den
Projekten unterstützen und diese weiterführen, wenn unsere Verträge
abgelaufen sind. Bei der sehr hohen Arbeitslosigkeit in Simbabwe (ca. 94%!)
kann man sich vielleicht vorstellen, wie viele Bewerbungen man da erhält.
Ausserdem waren viele sehr gut ausgebildet (Mugabe sei dank, man staune!).
Das machte die Auswahl nicht wirklich einfach und ausserdem aufwändig. Wir
sind aber sehr zuversichtlich, dass wir die beiden richtigen ausgewählt
haben, zwei junge, viel versprechende Simbabwer, Yvonne und Sherman.

Nebenbei versuchen wir, weitere Gelder für andere Projekte zu bekommen. Für
Latrinen einiger Grenzübergänge haben wir das Geld definitiv zugesagt
bekommen und nächste Woche sollte der Vertrag mit dem Unternehmer
unterschrieben werden. Die Grenzübergänge befinden in einer ziemlich
prekären Lage. Die Stromversorgung dort ist Geschichte und das wird noch
eine ganze Weile so bleiben. Die Wasserversorgung bestand aus Bohrungen mit
elektrischen Pumpen. Ohne Strom, kein Wasser. Generatoren sind auch keine
Lösung, da Diesel immer noch knapp ist und ausserdem der Nachschub sehr
unzuverlässig ist. Das bedeutet, dass sauberes Trinkwasser dorthin
transportiert werden muss, was zu teuer ist, oder die Leute verschmutztes
Wasser trinken müssen. Da kein Wasser vorhanden ist, funktionieren auch die
bestehenden Toiletten nicht, da man nicht spülen kann... Dann nehme man
noch eine grosse Anzahl Reisende oder Flüchtlinge sowie Cholera und andere
Krankheiten dazu, die durch fehlendes sauberes Wasser und unzureichende
Hygiene verbreitet werden, und los geht’s mit der nächsten Epidemie. In
unserem Projekt statten wir sieben Grenzübergänge mit temporären Plumpsklos
aus, welche in Harare mit uns zusammen entwickelt wurden. Da kann man sich
jetzt fragen, was man an einem Plumpsklo entwickeln kann. Da gräbt man eine
Grube und macht einen Deckel mit einem Loch drauf. Genau! Wie die Grube und
der Deckel aussehen müssen, ist in Simbabwe standardisiert. Den Deckel –
squatting slab – machen sie hier in der Regel aus Zement und die Kabine aus
Backsteinen. Für die Arbeiten braucht man relativ viel Zeit. „Unsere“
Latrinen mit Polyester-Slab und -Kabinen kann man einiges schneller
errichten, mindestens 4 pro Woche. Dass man für den Deckel Polyester
verwendet ist nicht neu. Diejenigen, die bisher auf dem Markt sind, sind
allerdings zu flexibel, dass man immer Angst haben muss, dass man
durchbricht. Das hab ich glaub ich schon mal geschrieben. Macht nichts. Von
den „ToiTois“ hab ich aber noch nicht geschrieben. Die sind hier an einigen
Grenzübergängen eine Notlösung. Da aber kein Saugwagen vorbei kommt, um sie
zu leeren, ist das Handarbeit… Sie freuen sich alle auf unsere Klos. Hört
sich toll an ;-)!

Wenn wir noch mehr Geld auftreiben können, möchten wir weitere
Grenzübergänge mit Latrinen ausrüsten und die Wasserpumpen auf
Sonnenenergie umrüsten. Man sollte meinen, das macht in Afrika Sinn, bei
der vielen Sonne. Trotzdem hat sich die Sonnenenergie noch nicht richtig
etabliert. Zumindest nicht hier in Simbabwe. Das Hauptproblem sei, dass die
Sonnenkollektoren viel zu schnell geklaut werden.

Die eigentliche Knacknuss ist aber der Aufbau einer neuen Abteilung in IOM
(International Organisation for Migration). IOM hat kaum Erfahrung in so
genannten WASH-Projekten (Water Sanitation Hygiene), hat aber in Simbabwe
seit der Cholera-Welle einige solche Projekte mit mehr oder weniger Erfolg
durchgeführt. Mein Chef wurde dank seiner langjährigen Erfahrung geholt, um
IOM zu unterstützen. Das braucht ganz schön viel Zeit und Nerven...

Der Alltag ist da
Ansonsten hat sich eine Art normaler Alltag eingespielt. Wenn ich im Feld
bin, heisst das 6 Uhr aufstehen, im Auto Zmörgelen, dann durcharbeiten bis
5, danach Sadsa (eine Arte sehr sehr sehr feine Polenta, ungewürzt) und
Fleisch in Muzarabani, dem einzigen Ort in der Gegend, wo man essen kann,
und anschliessend zurück ins „Guesthouse“. Wenn’s Strom hat noch 1-2
Stunden den Tag auswerten, wenn’s keinen Storm hat in 30 Minuten das
Nötigste erledigen, sonst geht dem Laptop im Laufe der Woche der Saft aus…
In Harare geniesse ich nach Feierabend den Luxus zuhause, wo wir meistens
Strom und meistens auch warmes oder kaltes (manchmal sogar beides
gleichzeitig) Wasser haben. Gaaaanz selten offizielle Einladungen wie z.B.
diese Woche. Der Schweizer Botschafter hat uns Schweizer bei sich zu Hause
zum Dinner eingeladen. Nett! Ab und zu Essen bei oder mit Freunden und ab
und zu einen Wochenendausflug. Nächstes Wochenende geht’s wahrscheinlich
endlich nach Mana Pools mit einem anderen DEZA-Mitarbeiter und seiner Frau.
Camping inmitten von wilden Tieren. Kein Scherz. Das ist ein Reservat mit
Löwen, Elefanten, Krokodilen, Rhinos, Hippos, Hyänen, etc. und man kann
dort offiziell Campieren!

Melde mich dann wieder. Mit Fotos von den Rehabilitierungen und hoffentlich
von Mana Pools!

Lasst’s euch gut gehen! Liebe Grüsse,


Eveline.


P.S.: Für diejenigen, die den Newsletter als Email bekommen hier die Links
zu meinen Facebook-Fotoalben:

Harare
http://www.facebook.com/album.php?aid=2030381&id=1391978303&l=64dadabd87

Muzarabani
http://www.facebook.com/album.php?aid=2035911&id=1391978303&l=1b7a2994ac

Chipinge
http://www.facebook.com/album.php?aid=2033518&id=1391978303&l=9e72509b01