Sonntag, 7. August 2011

10. Newsletter

Lang, lang ist’s her…
…seit ich Zeit hatte, einen Newsletter zu schreiben. Mitte März! Viel ist seither geschehen, neue Kollegen, neue Büros, Ferien und beinahe eine Sehnenscheiden-Entzündung…

Neues Büro in Harare
Seit meinem letzten Lebenszeichen ist sowohl unser Büro in Harare als auch das Feldbüro in Masvingo umgezogen. In Harare hat die DEZA sozusagen die Botschaft übernommen, was nicht alle unbedingt freut und das ganze nicht einfacher macht. Geplant war das schon länger. Die beiden Büros waren nur getrennt, weil das Botschaftsgebäude umgebaut und vergrössert wurde. Nun sind die Umbauten fertig und die Botschaft und die DEZA sind wieder unter einem Dach.
Die Schweizer Botschaft ist, wie mir gesagt wurde, das einzige „grüne“ Gebäude in Harare. Mit Solarenergie und so. Leider fühle ich mich überhaupt nicht wohl im neuen Gebäude, es ist dunkel, stickig und irgendwie erdrückend. Ausserdem habe ich keinen Arbeitsplatz gekriegt. Obwohl das so besprochen worden war. Die in Harare wollen, dass ich zwei mal pro Monat nach Harare komme, stellen mir aber keinen Arbeitsplatz zur Verfügung. Da muss ich wohl nach Harare zum Ferien machen. Wie auch immer, ich habe vorgeschlagen, in einem nahe gelegenen Internet Café zu arbeiten und wenn was ist, kann man mich anrufen. Zuerst fand mein Chef das etwas übertrieben, nun sieht er aber ein, dass wir Feldleute nicht nach Harare kommen können, wenn wir dort nicht arbeiten können. Wahrscheinlich ist das Internet Café für die nächsten Monaten die einzige Lösung. Da wir in Harare am Netz der Botschaft hängen, sind die Auflagen sehr strickt und es wird einige Zeit dauern, bis eine Lösung für uns gefunden wird. Bin mal gespannt, wie es weiter geht.

Neues Büro in Masvingo
Auch das Feldbüro ist umgezogen. Da das Feld Team für das Projekt fast auf das doppelte gewachsen ist, ist das Büro in der Lodge zu klein und ausserdem müssten meine 6 Kollegen jeden Tag fast eine halbe Stunde hin und zurück fahren und die öffentlichen Busse fahren nicht bis zur Lodge. Zwei gute Gründe zum in die Stadt ziehen. Es gibt noch ein paar mehr: Neid anderer Organisationen, Ministerien die sich beklagen, dass sie uns nicht besuchen können, da wir zu weit weg sind, und die DEZA Zentrale, die sagt, es sei nicht standesgemäss, als humanitäre Organisation in einer Lodge zu leben. Dass es um einiges billiger war in der Lodge war kein ausreichendes Argument…
Wie auch immer, nun sind wir seit gut einer Woche in unserem neuen Zuhause, ich wohne auch im Büro. Wir waren nicht so glücklich wie unsere Kollegen in Harare, die in ein fertiges Büro ziehen konnten. Unser Haus war zwar keine Ruine, aber es gab und gibt immer noch sehr viel zu tun! Mittlerweile kann ich jedes Türschloss einbauen und flicken, dem Schreiner erklären, wie er eine Schranktür anbringen muss, damit man sie schlussendlich öffnen kann und Silikonfugen sind bald meine Spezialität. Dafür muss ich jetzt aufpassen, dass ich keine Sehnenscheiden Entzündung kriege…
Mit dem Schreiner hatten wir eine ganz schlechte Wahl getroffen. Wir haben ihn gebeten, ums Spülbecken herum einen Schrank zu bauen um Geschirr, Pfannen etc. zu verstauen. Eines Tages, als die Türen zum Schrank montiert werden sollten, stellte sich heraus, dass die Hälfte des Möbels gar nicht zugänglich wäre, da keine Tür… und ausserdem wollte der Schreiner keine Regale einbauen. Auf die Frage, wie wir das Geschirr und so verstauen sollten, wusste er auch keine Antwort. Der Schrank hat nun eine zusätzliche Tür und auch Regale gekriegt.
Die Silikonfugen um die Spüle hab ich dann selber gemacht. Leider konnte ich nur schwarzes Silikon finden… Da der Schrank gelb gestrichen wurde, habe ich jetzt eine Uri-Küche ;-). Meine ersten Fugen, und dann noch in Schwarz, da kann man meine stümperhafte Arbeit überhaupt nicht verstecken. Wichtig war’s aber doch und das Timing war perfekt, denn der Klempner hat tags darauf gleich eine Überschwemmung gebastelt. Ok, das war wirklich Pech! Wir mussten einen leckenden Wasserhahn entfernen, um in der Stadt einen neuen zu kaufen, also drehten wir den Haupt-Wasserhahn zu – so dachten wir mindestens – als wir zurück kamen, hatten wir einen Springbrunnen in der Küche und das halbe Büro war überschwemmt. Anscheinend hat genau zur gleichen Zeit, als wir am Hahn gedreht haben, auch die Wasserversorgung den Hahn zugedreht, und leider zu früh wieder aufgedreht… Wie gesagt, Pech.
Gestern habe ich zum Glück transparentes Silikon gefunden, denn ich hatte eine wichtige Mission: Krieg den Ameisen! Mein Badezimmer scheint sehr beliebt zu sein bei den Ameisen. Sie kamen durch jede Ritze rein, Millionen winzige und hartnäckige Störenfriede! Nun wird sich zeigen, ob ich alle Ritzen verschlossen habe.
Und immer noch ist einiges zu tun: wir haben keinen Storm, da der Transformer zum Haus kaputt ist und anscheinend das Elektrizitätswerk nicht zuständig ist. Wir mussten uns also selber um die Reparatur kümmern, und hoffen, dass der bald vom Flicken zurück ist, denn der Generator ist nicht sehr umweltfreundlich. Dann brauchen wir dringend einen Wassertank um die Wasserunterbrüche zu überbrücken, hatten aber noch keine Zeit, um das zu organisieren. Und es gäbe noch viel mehr lustiges und weniger lustiges zu berichten, aber das soll mal genügen betreffend Haus.

Neue Kollegen
Da das Gesundheitsministerium im Juli endlich das Memorandum of Understanding unterschrieben hat – hat nur 7 Monate gedauert, was sehr schnell ist, kein Witz! Viele Organisationen fragen sich, wie wir das geschafft haben – können wir offiziell anfangen mit handfesten Aktivitäten des Projektes! Deshalb musste das Feld Team schnell wachsen. War ganz interessant bei Job Interviews mal auf der anderen Seite des Tisches zu sitzen. Um das Projekt durchzuführen, müssen wir genügen Leute sein, sonst geht’s schief. Zuerst sind wir allerdings geschrumpft. Wie im letzten Newsletter berichtet hat uns Lulu, unsere Kollegin aus der Schweiz Ende März verlassen. Auch Mkhululi Ngwenya ist nicht mehr in unserem Team in Masvingo. Er wurde nach Harare befördert. Nun haben wir ein fast komplett neues Team. Nur Stephen Kabiseni und ich sind noch übrig. Die neuen Kollegen sind: ein Wasser-Ingenieur, ein Ökonom mit viel Erfahrung in WASH, da er für die Regierungsbehörde gearbeitet hat, die Standards definiert und überwacht, eine ehemalige Mitarbeiterin des Gesundheitsministeriums, ein Verantwortlicher für Finanzen und Administration und ein Fahrer. Sobald sich alles eingespielt hat, werde ich eine etwas ruhigere Kugel schieben können, hoffentlich!
Wer noch fehlt ist ein Gärtner und Putzer, den haben wir bereits gefunden, aber der Vertrag fehlt noch, und ein Hund. Ganz wichtig. Der muss nämlich den Nachtwächter aufwecken, falls ein Einbrecher kommt ;-).

Präsentationen und Projektstart
Wie ich es doch liebe vor Publikum zu sprechen… War aber unvermeidbar. Um die Unterschrift auf dem erwähnen Dokument zu kriegen, mussten wir das Projekt vor verschiedenen Gremien präsentieren. Als Projektmanager musste ich das natürlich machen. War eine gute Übung für mich. Vor allem die erste Präsentation für Regierungsvertreter in Harare. Für diese Präsentation musste ich mir in letzter Minute einen Kostüm kaufen, mit Hosen natürlich. Schon wieder etwas, das ich nicht gerne mache. Einkaufen… Zum Glück hatte ich Hilfe von einer Bekannten eines Freundes. Sie brachte mich auf den Flohmarkt, weil sie dachte, ich suche ein paar Jeans. Trotzdem wurden wir bald fündig und die Präsentation war ein Erfolg. Auch die zweite für die Provinz. Auf Distrikt Level musste ich nur noch eine kurze Einführung machen, da die Details besser in der lokalen Sprache, Shona, präsentiert werden. Schwein gehabt! Unser Projekt wurde auf allen Ebenen akzeptiert und wir willkommen geheissen und wir sind ready to go!
Wir konnten es kaum erwarten, das Projekt endlich richtig zu starten. Dafür mussten wir aber die ganze Prozedur von Präsentationen und offiziellen Dokumenten etc. durchlaufen um niemandem auf die Füsse zu treten. Nun haben wir aber mit der richtigen Arbeit begonnen. Nicht dass wir bisher nicht gearbeitet hätten. Es gibt immer Dinge, die man vorbereiten kann. Die ersten Aktivitäten sind Trainings für Trainer von „Village Health Workers (VHW)“. Die VHW sind diejenigen Leute, die für das Gesundheitsministerium von Dorf zu Dorf gehen, Kontrollen machen und wichtige Informationen verbreiten. Sie werden die Informationen zu unserem Projekt in den beiden Distrikten verbreiten und dazu aufrufen, uns und ihre Klinik bzw. ihr Spital zu unterstützten. Andere Trainings sind in der Pipeline und parallel dazu fangen wir mit dem Kauf von Material für die Reparaturen der Infrastruktur an. Langsam, langsam aber sicher kommt das ganze ins Rollen!

Ferien in der Schweiz
Im Juni war ich für drei Wochen in der Schweiz. Ich danke allen, die sich Zeit genommen haben, um mich zu sehen. Und es tut mir leid, dass ich viele von euch nicht treffen konnte. Drei Wochen sind einfach schon sehr kurz. Trotzdem habe ich mir erlaubt, wie jedes Jahr am TCS Motorrad Saisonstart Training in Ambri teilzunehmen. Schliesslich waren es meine Ferien und Töff Fahren ist nun mal mein liebstes Hobby. In diesem Kurs treffe ich jedes Jahr Leute, die ich mittlerweile zu meinen guten Freunden zählen darf.
Ausserdem musste ich während den Ferien ein paar Tage arbeiten, weil genau zu der Zeit der Mietvertrag fürs neue Büro in Masvingo unterschrieben werden musste und wir mitten in der Selektion von Kandidaten für die neuen Stellen im Feldbüro waren. Dann war ich noch einen Tag an der Zentrale, wo ich zwei Kollegen vom Korps getroffen habe, wovon uns einer im September für ein paar Monate in Simbabwe unterstützen wird.
Am Tag vor meiner Rückreise nach Simbabwe durfte ich noch mit meiner Familie den 60sten Geburtstag meiner Mutter feiern.
Diesen Monat komme ich wieder kurz in die Schweiz. Allerdings nur für 2 Wochen und davon werde ich 7 Tage in Trainings der DEZA in Gwatt sein. Trotzdem bleiben da noch ein paar Tage für euch und für mich!
Wünsche alles Gute!

Eveline.

1 Kommentar:

  1. Hoi Eveline! Von deinen neu erworbenen Handwerkerfähigkeiten könnte sich unser Vermieter ein Stück abschneiden!! :-D Hast du mein Eil-Paket mit Ameisenbär bekommen? Chapeau wie du als PL all die organisatorischen, offiziellen, personellen und gesellschaftskritischen Hürden meisterst! Alles Gute + bis bald, LG Wilma PS: Schreib, wenn ihr euren Wachhund gekriegt habt :)

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