Montag, 24. August 2009

3. Newsletter

Kwaziwai. Makadii?

Das ist Shona und heisst soviel wie "Seid gegrüsst. Wie gehts?" Ich versuche, ein paar Brocken Shona zu lernen, damit ich mindestens ein paar Freundlichkeiten austauschen kann. Ich war letzte Woche nun endlich zum ersten mal im Feld und konnte ein bisschen üben. Sehr weit bin ich allerdings nicht gekommen. Viele grosse Augen... Ich weiss nicht, ob es an meinem Akzent lag, oder daran, dass viele selten oder noch nie Weisse gesehen haben. Und dazu noch eine Frau in Hosen! Ich weiss jetzt, wie sich ein Alien auf der Erde fühlen würde ;-).

Und es geht halt alles langsamer...
Aber von Anfang an. Nachdem sich unser eigentliches Projekt, die Rehabilitierung von Bohrungen mit Handpumpen, weiter verzögert hat, weil der Vertrag für den Unternehmer, der die Arbeiten ausführen wird, aus diversesten Gründen einfach nicht fertig wird, haben wir das Programm etwas umgestellt. Die Vorbereitungen für meinen Trip in den District Chipinge (südöstlich von Harare an der Grenze zu Mozambique) haben mehrere Tage in Anspruch genommen. Das Zeitraubende ist nicht etwa, die Arbeit zu planen oder so (da reichte ein Telefonanruf ins IOM Büro in Mutare), sondern die ganzen Formalitäten für die Reise! Wir können nicht einfach ein Auto aus dem Pool nehmen und losfahren. Zuerst muss man ein Fahrzeug inkl. Fahren beantragen. Fahrzeuge sind leider etwas knapp, bisher hats aber zum Glück immer geklappt, touch wood! Anschliessend braucht man die "Security Clearance" von UNDSS, mit der kann man dann die "Travel Authorisation" bei IOM bzw. bei UNICEF beantragen. Das wäre alles kein Problem, wenn derjenige bei UNICEF, der das Papier unterschreiben muss, seinen Job machen würde... Irgendwie hats noch rechtzeitig geklappt und am Mittwoch gings los.

Gute Planung ist alles
In einem Guesthouse hätten uns Kollegen vom IOM Büro Mutare erwarten sollen. Ihr Chef hat uns ein paar Stunden vorher bestätigt, dass sie uns zu den Bohrungen führen werden. Alleine hat man schlicht keine Chance, die zu finden! Die Kollegen haben sich sehr gefreut, uns zu sehen, da sie uns überhaupt nicht erwartet hatten. Sie wüssten von nichts und hätten auch keine Zeit! Wie dem auch sei, was nicht passt, wird passend gemacht. Sie haben uns einen Mitarbeiter vom Gesundheitsministerium organisiert, der uns die nächsten 2 Tage rumgeführt hat. Unsere Aufgabe war es, eine Bestandesaufnahme der Bohrungen und Handpumpen in einem Teil des Districts Chipinge zu machen, um in 2 Monaten auch hier mit der Rehabilitierung dieser anzufangen. Von 54 Bohrungen und "Deep Wells" wurden 2 komplett aufgegeben, weil das Wasser schlicht zu salzig ist, 15 funktionieren seit Monaten oder teilweise seit Jahren nicht mehr und die übrigen sind in einem mehr oder weniger guten Zustand.

5 Sterne
Das Guesthouse war der Hammer. Man konnte noch deutlich sehen, dass es mal richtig schön war. Das Essen war geniessbar. Reis, der in chloriertem Wasser gekocht wurde, schmeckt auch entsprechend. Ist aber besser so als mit verseuchtem Wasser! Auf der einzigen Toilette gabs kein Licht und kein Schloss, fliessend Wasser gabs auch nicht, aber dafür einen Kübel voll Wasser, um sich zu Waschen (wenn der Kübel nicht gerade gebraucht wurde, den Boden zu putzen...). Was kann man erwarten für 5 US$ pro Nacht? Und das sei für die ländliche Gegend eine gute Absteige. Bin ja gespannt, was mich nächste Woche erwartet... Es war jedenfalls schön, am Samstag Nachmittag wieder zu Hause zu sein. Jetzt da wir endlich warmes Wasser haben!

Geht's jetzt doch noch los?
Nächste Woche gehts dann richtig los mit den Rehabilitierungen im District Centenary im Norden von Harare. Der Vertrag soll morgen unterschrieben werden, heisst es. Auch unser 2. Projekt nimmt jetzt klare Formen an. Toiletten für die Grenzübergänge. Schönes Thema! Jetzt ist allerhöchste Zeit, dass wir loslegen können. Nachdem die Cholera-Epidemie am 7. Juli von der WHO als beendet erklärt wurde, sind in den letzen Tagen bereits neue Fälle aufgetaucht. Der Zufall will es, dass diese genau, aber wirklich genau dort aufgetreten sind, wo wir letzte Woche waren. Wir haben sogar die Handpumpe der entsprechenden Klinik überprüft. Sie funktioniert!

Eigentlich wollte ich nicht wieder so viel schreiben. Sorry!

Usiku. Murare zvakanaka! (Gute Nacht. Schlaft gut!)

Liebe Grüsse,


Eveline.


P.S. Meine simbabwische Handy-Nummer lautet: +263 91 362 45 09.
Manchmal kann ich sogar SMS empfangen oder schicken!!! ;-)

Montag, 3. August 2009

2. Newsletter

Hoi zämä

Jetzt sind dann bereits drei Wochen um, und das Ganze nimmt langsam 
Gestalt an. Hier in Harare lebt es sich ganz gut. Man muss sich einfach 
an ein paar Regeln halten. Regeln wie zum Beispiel „Geh niemals ins 
Zentrum von Harare, auch nicht in Begleitung von Einheimischen und auch 
nicht mit dem Auto“ oder „Sei nie im Dunkeln zu Fuss unterwegs“. 
Dummerweise ist es bereits um 18 Uhr dunkel… Brauche ein Auto!

Die Leute sind sehr nett und überaus freundlich. Fast zu freundlich für 
meinen Geschmack, aber daran werde ich mich sicher noch gewöhnen. Das 
wird wahrscheinlich einer der Kulturschocks werden, wenn ich zurück in 
der Schweiz bin. Wenn man mit einem knappen „Grüezi“ begrüsst wird, 
anstatt mit einem „Hallo! Schön Sie zu sehen! Wie geht es Ihnen? Wie war 
Ihr Tag? etc.“ ;-)

1. August in Simbabwe
Am 31. Juli waren wir zu einem verfrühten 1. August Fest eingeladen. In 
der Residenz des Schweizer Botschafters. Nette Party mit Käse, 
Bündnerfleisch und anderen feinen Sachen! Und die Autofahrer in der 
Nachbarschaft der Botschafter-Residenz sind unglaublich gut. Die haben 
ein Augenmass! Mein Oberarm hat momentan alle Farben aber der 
Rückspiegel des Autos ist wahrscheinlich noch ganz. Das konnten wir aber 
nicht überprüfen, weil der Kerl abgehauen ist, nachdem er mich fast über 
den Haufen gefahren hat! Hätte schlimmer ausgehen können. Zum Glück ist 
alles noch ganz. (Bevor die blöden Sprüche kommen: ich bin schön brav am 
Strassenrand gelaufen und die Strasse war breit genug…)

Mein erstes Haus!!!
Am 1. August bin ich dann aus dem Hotel ausgezogen und hab mich in einem 
Haus mit Garten und Pool niedergelassen. Liz, eine Norwegerin, die für 
eine der vielen UN-Organisationen arbeitet, hat mich freundlicherweise 
bei sich aufgenommen. Werde also wieder mal WG-Luft schnuppern. Ok, der 
Garten ist ein Urwald und halb vertrocknet und der Pool braucht dringend 
eine gründliche Reinigung und neues Wasser, aber es ist nett hier. 
Endlich hab ich Platz zum Taiji üben!

Das Haus hat natürlich auch ein paar Hacken. Wir haben momentan z.B. nur 
Wasser aus einem Tank, immer wieder Stromausfall und nur in der 
Waschküche warmes Wasser. Das sollte in den nächsten Tagen oder Wochen 
aber alles besser werden (neue Grundwasserbohrung, Boiler flicken oder 
ersetzen, Stromgenerator kaufen). Sonst ist das Haus recht lustig. In 
meinem Zimmer funktioniert zum Beispiel nur einer von vier 
Lichtschaltern und der befindet sich im Wandschrank… Die Möbel im ganzen 
Haus sind schlicht grauenhaft. Entweder dunkel oder pink, schwer und sie 
müffeln… Ausser die Afrikanischen Kunstwerke, die sind toll! Natürlich 
gibt’s auch da eine Ausnahme: der Orginal-Elefantenfuss-Hocker......... 
Hiiiiilfee!

Wann fängt die richtige Arbeit an?
Von der Arbeit gibt’s nicht viel zu berichten. Meetings und Papierkram. 
Es verzögert sich alles um mindestens 2 Wochen. Damit kann ich aber gut 
leben, denn ich wüsste nicht, wie wir den ursprünglichen Zeitplan hätten 
einhalten sollen. Letzte Woche haben wir mit dem auserwählten 
Bohrunternehmer für die Rehabilitierung der Brunnen den Vertrag und den 
Zeitplan besprochen. Nun ist der Vertrag überarbeitet und quasi fertig, 
muss noch bei der Rechtsabteilung und beim ChefChef vorbei und dann 
fehlen nur noch die Unterschriften. Ab dem 17. August sollte ich dann 
definitiv im Feld sein. Dann ist es nämlich höchste Zeit, sonst läuft 
uns die Zeit davon. 6 Monate sind schnell um!

Neue Bekanntschaften, etc.
Bei den vielen Partys und sonstigen Einladungen lernt man schnell viele 
Leute kennen (die Abende sind lang, da es schon um 18 Uhr dunkel ist… 
Irgendwie muss man sich ja wach halten.). Es gibt hier immer wieder 
Überraschungen wie z.B. Urnerinnen, die seit 20 Jahren in Simbabwe leben 
und meine Tante Pia kennen ;-). Überraschungen gibt es hier sowieso fast 
täglich. Eine ist z.B. dass wir einen Nachbarn haben, der sein WiFi-Netz 
nicht schützt!!! So haben wir zu Hause ab und zu sogar gratis Internet ;-).

Es bleibt also spannend. Für mich zumindest. Und wieder gilt: wer sich 
belästigt fühlt darf sich gerne melden ;-).

Wünsche euch in der Zwischenzeit alles Gute!

Liebe Grüsse, 

Eveline.