Hier bin ich mal wieder mit etwas Text. Mein letzter Newsletter ist schon
eine ziemliche Weile her. Es ist nicht so, dass ich in der Zwischenzeit
nichts zu erzählen gehabt hätte. Ich bin einfach nicht zum Schreiben
gekommen und ausserdem ist in letzter Zeit nicht alles optimal gelaufen…
Der neue Alltag
Seit Dezember bin ich ja so zu sagen der Chef/Manager der WASH Unit von
IOM Zimbabwe. Darüber hab ich im letzten Newsletter schon geschrieben.
Jetzt hab ich langsam, sehr langsam, das Gefühl, das ich vielleicht
teilweise den Überblick habe ;-). So schlimm ist’s nicht. Es sind nur 2
Projekte, die ziemlich schwierig sind. Das eine Projekt war von Beginn an
ein Chaos. Das war noch letztes Jahr irgendwann im September oder so. Zwei
Abteilungen von IOM mit Kommunikations-Defiziten und ein unzuverlässiger
Unternehmer sind eine schlechte Mischung! Ich hatte dann im Dezember die
Ehre, dieses Projekt zu übernehmen, und seit 3 Wochen glaube ich, dass ich
die Details endlich zusammen habe, um zu wissen, was gemacht wurde, wie
viel Honorar bereits gezahlt wurde, was noch ausstehend ist und vor allem,
was noch gemacht werden muss. Uff! Und jetzt, wo wir wissen, was noch
fehlt, steht mal wieder alles still, weil wir seit 3 Wochen auf die
entsprechenden Verträge für die Unternehmer warten. Was kann man erwarten,
wenn man für die ganze Organisation nur eine Person hat, die Verträge
machen kann, die dazu noch hoch schwanger ist und zum Dessert obendrauf
noch einen Virenverseuchten Compi hat, der tagelang nicht läuft? Macht
nichts, das Projekt muss erst Ende Woche fertig sein… Auch weitere 4
Projekte, die jetzt eigentlich starten sollten, sind auf Standby, weil die
Verträge nicht bereit sind. Das Gute daran ist: jetzt hab ich Zeit zum
Newsletter schreiben! Damit ihr mal seht, wo wir überall tätig sind, habe
ich diesmal eine Karte angehängt.

Politik...
Letzte Woche war ich in Chiredzi, weil UNICEF und Action contre la Faim
(ACF) uns gebeten haben, dort ein paar Bohrungen zu machen. Dieser Distrikt
war letztes Jahr beim Choleraausbruch stark betroffen und auch dieses Jahr,
obwohl der Ausbruch nicht vergleichbar ist mit dem vom letzten Jahr, sind
in diesem Distrikt wieder überdurchschnittlich viele Menschen betroffen.
Der Grund ist, dass praktisch keine Bohrungen vorhanden sind. Die Leute
trinken schmutziges Wasser von Flüssen und ungeschützten Brunnen. Ausserdem
haben sie praktisch keine Toiletten. Wir sind also los, um für unsere
Leute, umgesiedelte ehemalige Farmarbeiter, eine gute Lösung zu finden.
Zusammen mit Vertretern der lokalen Behörden und Vertretern der Bevölkerung
haben wir uns auf Standorte für 4 Bohrungen geeinigt. Für mehr haben wir
momentan kein Geld. Mit diesem Vorschlag sind wir dann zur
Distrikt-Administratorin. Sie dankte uns für unser Engagement und teilte
uns höflich mit, „dass sie uns leider nicht erlauben könne, dort Bohrungen
für die Bevölkerung zu machen. Es sei ihr bewusst, dass sauberes Wasser ein
Menschenrecht sei, aber die Siedlungen seien nun mal illegal und man sei
daran, zu entscheiden, ob und wohin die Leute umgesiedelt werden sollen.“
Die Leute sind seit fast 10 Jahren dort. Ohne Unterstützung. Sie haben sich
ihre Häuser gebaut, bauen sich eigene Schulen, bauen Land an. Wieso könnte
wohl jemand nach 10 Jahren entscheiden, dass diese Leute wieder weg müssen?
Die Antwort ist wie immer: Politik. Die einen Siedlungen sind auf Land, das
ein ehemaliger Premierminister haben möchte, um seine Farm zu vergrössern.
Andere Siedlungen liegen entweder auf einem sehr ergiebigen Kupferverkommen
oder zu nahe an einem Erdölfeld. Das hat uns die Dame natürlich nicht
gesagt. Das haben wir aus anderen Quellen erfahren. Nun fragt man sich, wie
lange es wohl gehen wird, bis die Farm erweitert wird bzw. die Kupfer und
Erdöl Vorkommen ausgebeutet werden, wenn der Staat kein Geld hat… Wir
müssen irgend eine Lösung finden, die Menschen dort brauchen dringend
Unterstützung.
Umzugspläne
Das war das Berufliche, jetzt das Private: Letzte Woche ist unsere
Vermieterin, Ines, aus Australien zurück gekommen… Liz und ich sind mal
wieder daran, uns zu verstecken, wenn wir zu Hause sind, und sehr bemüht,
so selten wie möglich zu Hause zu sein… Ich hatte sowieso vor, in ein paar
Wochen das Haus zu wechseln. Liz, meine WG-Kollegin, geht Mitte April
zurück nach Amerika, weil ihr Vertrag abgelaufen ist, und ein Kollegin von
IOM hat ein Haus, das für sie alleine zu gross ist und es mit mir teilen
möchte. Ich hab sowieso genug von diesem Haus, weil es einfach zu teuer
ist. Ständig ist etwas kaputt und wir können alle Reparaturen zahlen.
Jetzt, wo Ines zurück ist, und wieder im angebauten Appartement neben dem
Haus wohnt, werden wir wohl schon vor Ende März einen neue Bleibe suchen.
Die Anwesenheit von Ines ist schon genug, um Liz und auf die Palme zu
treiben. Ich kann gar nicht beschreiben, wieso genau sie uns so widersteht,
aber es ist nun mal so. Zum Glück haben wir beide einen Ausweg!
Weihnachtsferien in Amman
Das war die Gegenwart, aber ich habe ja noch ein Lücke in der
Vergangenheit zu schliessen. Über Weihnachten habe ich einen Kollegen der
DEZA in Jordanien besucht. Der Hinflug war schon mal suboptimal. Mit 3
Stunden Verspätung haben wir Harare verlassen. Natürlich habe ich meinen
Anschlussflug in Addis Abeba (Äthiopien) verpasst. Erste Information:
nächster Flug in 24 Stunden. Das Glück war mir aber treu und nach langem
hartnäckigen Verhandeln mit Ethiopien Airlines wurde ich auf einen anderen
Flug gebucht und bin früher als geplant in Amman gelandet. Leider ohne
Gepäck. Das komme morgen. Morgen kam es natürlich nicht. Es sei noch in
Addis und komme am Abend. Am Abend kam es wieder nicht. Am Morgen fuhren
wir zum Flughafen, in der Hoffnung, etwas zuverlässige Informationen zu
bekommen. Dort hiess es, mein Gepäck sei jetzt in London und komme um
Mitternacht an. Um Mitternacht kam es aber auch nicht…
Petra
Nun hatten wir langsam genug von Amman und entschieden, unseren ersten Teil der Touri-Tour
zu starten. Ich kaufte die nötigsten Kleider und los ging’s nach Petra. Die
Busfahrt war recht angenehm und erstaunlich billig. In Petra trafen wir auf
einen netten Taxichauffeur, der uns sofort Essen besorgte und uns von
„Petra by Night“ erzählte. Er versprach uns, die Tickets zu besorgen und
uns am Abend pünktlich im Hotel abzuholen. Hörte sich toll an! In der
Zwischenzeit besichtigten wir Petra. Beeindruckend. Die Schlucht, die
Tempel, die Aussicht vom Berg aus, wow! Einen Teil von Petra schaute ich
dann vom Kamel-Sattel aus an, weil ich von den neuen Schuhen Blasen hatte…
Einen Teil des Rückwegs machte ich auf einem Pferdchen (oder war’s ein Esel
oder ein Maultier? Egal). Nach dem Abendessen wartete der Taxifahrer mit
den Tickets für „Petra by Night“ auf uns. Das kann ich jedem empfehlen. Es
ist sehr eindrücklich, im Dunkeln die Schlucht hinunter zu laufen, die mit
Kerzen beleuchtet ist und dann vor der ebenfalls von Kerzen beleuchteten
Schatzkammer (Indiana Jones, der letzte Kreuzzug) einen Tee zu trinken und
jordanischer Musik zu horchen!
Wadi Rum
Am nächsten Morgen ging’s mit unserem Taxifahrer nach Wadi Rum. Dort
stiegen wir in einen Jeep um, mit dem wir durch die Wüste chauffiert
wurden. Uns wurde am Anfang gesagt, der Beduine, der uns fährt sein kein
Führer sondern nur ein Fahrer. Er spreche nur sehr wenig Englisch. Das war
ein bisschen übertrieben, ich glaube nicht, dass er mehr als „hello“
kannte. Die Wüstentour war interessant. Ein paar Ruinen, ein paar
Felsritzereien, viel Sand, einige Dünen und spektakuläre Felsformationen.
Am Nachmittag sind wir im Sunset-Camp angekommen. Das ist ein „Beduinen
Camp für Touris“. Recht schön gemacht, aber die Betreuung liess ein
bisschen zu Wünschen übrig. Unser Fahrer setzte uns ab und verschwand
irgendwo hinter den Dünen. Ok. 3 Stunden später waren wir dann nicht mehr
alleine mit dem Koch und dem Handlanger. Der Sonnenuntergang war sehr
schön, das Abendessen ausgezeichnet und dann waren wir wieder auf uns
alleine gestellt. Im zentralen Zelt brannte ein gemütliches Feuer und nach
ein paar Tässchen Tee mit den zwei anderen Touris und einem Deutscher, der
ein paar Wochen im Camp arbeitete war dann Nachtruhe. Das war der
Weihnachtsabend. Auf dem Rückweg zum Ausgangsort liessen wir uns von
Kamelen schaukeln. Mann, war ich froh, als wir nach 2 Stunden endlich am
Ziel waren! Alles in Allem war der Ausflug ganz nett, nur vom Camp war ich
ein bisschen enttäuscht. Ich hatte gehofft, dass am Abend ein bisschen
Unterhaltung geboten wird, ein bisschen Musik oder so.
Aqaba
Unser nächstes Ziel war Aqaba wo wir nur ein paar Stunden verbrachten,
bevor wir wieder den Bus zurück nach Amman bestiegen. Zurück in Amman
versuchten wir wieder mein Gepäck zu kriegen. Am Telefon hiess es, das
Gepäck sei jetzt am Flughafen in Amman und werde noch am selben Abend mit
dem Kurier am unsere Adresse gebracht! Wir haben also gewartet. Um 23 Uhr
war noch kein Gepäck da, also rief ich nochmals am Flughafen an. Der gab
mir die Nummer vom Kurier. Nein, er habe mein Gepäck nicht dabei. Man habe
ihm gesagt, der Koffer bleibe noch am Flughafen. Hä? Am Flughafen war
natürlich niemand mehr erreichbar. Am morgen rief ich wieder an. Sie sollen
das Gepäck gefälligst dort behalten, bis ich es selber abhole! Es reicht
jetzt! Dann hatte ich mein Gepäck endlich wieder. Nach 6 Tagen! Besser spät
als nie!!!
Jerash, Totes Meer, Kerak, Wüstenschlösser und Syrien. Oder doch nicht?
Weitere Tagestrips in Jordanien waren: Jerash, Totes Meer, Kerak und
einige weniger bekannte Orte, die am Weg lagen. Eigentlich wollten wir auch
noch 2 Tage nach Syrien, aber die haben mich nicht über die Grenze
gelassen. Auf der syrischen Botschaft in Amman hiess es, das Visum bekomme
man an der Grenze und and der Grenze hiess es, das Visum müsse man auf der
Botschaft machen… Dann liessen wir das mit Syrien halt sein.
Am 30. Dezember am späteren Nachmittag war mein Rückflug nach Harare fällig. Am
Vormittag zeigte uns unser Touristen-Führer, der uns schon ans Tote Meer
und nach Kerak gefahren hat, noch die Wüstenschlössern und organisierte uns
ein typisches Essen, das wir wahrscheinlich mindestens 10-fach überzahlt
haben. Aber gut war’s!
Der Rückflug: wieso nicht einfach einfach...
Der Rückflug lief selbstverständlich auch nicht problemlos. In Kairo war
unser Anschlussflug verspätet. Anstatt um 2 Uhr morgens, flogen wir um 6
Uhr morgens weiter nach Addis, wo wir natürlich wieder den Anschlussflug
verpassten. Diesmal hatte ich weniger Glück und musste das von Ethiopien
Airlines offerierte Hotelzimmer beziehen. Vorher hatte ich aber noch mein
Gepäck verlangt. Es war sogar da! Das war der 31. Dezember. In Äthiopien
ist Neujahr irgendwann in September. Es war also nicht wirklich viel los!
Am nächsten Morgen ging’s wieder zum Flughafen, einchecken. Auf meinem
Gepäckkleber stand „Lusaka“, also ging ich zurück zum Schalter und fragte,
wieso mein Gepäck nicht mit mir nach Harare kommen soll. Der Mann am
Schalter schaute mich komisch an und fragte zurück „sind sie sicher, dass
sie nach Harare fliegen, Ms. Zulu?“ Nein, ich hab nicht geheiratet! Am Tag
vorher wurden die Bording Pässe für die neuen Anschlussflüge verteilt. Ich
war so müde, dass ich nicht kontrolliert habe, ob alles richtig ist… Ich
kriegte dann den richtigen Bording-Pass und mein Gepäck, das bereits im
Schwarzen Loch hinter dem Check-In verschwunden war, kriegte offensichtlich
auch den richtigen Kleber. Er kam jedenfalls mit mir in Harare an. Als ich
am Flughafen auf mein Taxi warte, fiel mir wieder mal auf, dass sich
Simbabwe irgendwie einfach gut anfühlt. Das ging mir schon so, als ich von
Namibia zurück kam. Kaum laufe ich durch den Flughafen in Harare gehen die
Mundwinkel hoch. Wenn man sich umschaut bemerkt man, dass es vielen anderen
auch so geht. Die Leute lächeln und machen einen zufriedenen Eindruck. Das
scheint ansteckend zu sein! Ihr könnt euch gerne selber davon überzeugen.
Simbabwe ist definitiv eine Reise wert.
So war's nicht geplant!
Nach knapp einer Woche im Büro bzw. im Feld ging’s dann schon wieder
weiter. Diesmal in die Schweiz!!!! Mein erster Vertrag war Mitte Januar
fertig und ich hatte um 3 Wochen Unterbruch vor dem 2. Vertrag gebeten, um
in der Schweiz abzuklären, was mit meinem Rücken los ist. Ich hatte seit
einiger Zeit Ausstrahlungen ins rechte Bein und ein taubes Gefühl in den
Zehen. Den ersten Arzttermin hatte ich schon von Simbabwe aus organisiert.
Nach knapp 4 Tagen in der Schweiz war’s klar, MRI-Befund:
Bandscheibenvorfall. Toll! Wir versuchten es mit Physio, Massagen und
Cortison, aber ich konnte natürlich nicht zu Hause Rumsitzen und brav sein.
Ich war doch in der Schweiz um Freunde und Familie zu sehen, um Dinge
einzukaufen, die ich in Simbabwe nicht kriege. Schlussendlich gab’s keine
andere Lösung als mich ins Spital zu stecken, wo ich fast 2 Wochen lang mit
Cortisonspritze, Therapien und RUHE wieder fit gemacht wurde. Eine
Operation konnte ich vermeiden. Diesmal jedenfalls! Aber aus meinem
3-wöchigen Aufenthalt in der Schweiz wurden 5 Wochen. Jetzt bin ich seit
Mitte Februar wieder in Simbabwe und sehr zufrieden mit meinem Rücken. Die
Feuertaufe mit Naturstrassen und vielen Schlaglöchern hat er letzte Woche
auch gut überstanden. Ich bin zuversichtlich!
Wie könnte es anders sein, ich bin schon wieder am planen fürs lange
Osterwochenende. Wahrscheinlich geht’s mit Arbeitskollegen von IOM irgendwo
zum Campen. Am 30. April fliege ich dann auch schon wieder für 2 Wochen in
die Schweiz. Ich muss mein Moped wieder mal bewegen, bevor es Standschäden
kriegt!!! Also: wer mich im Januar/Februar nicht oder zu wenig gesehen hat,
hat vielleicht im Mai eine Chance! ;-)
All the best!!!
Eveline.