Montag, 2. August 2010

8. Newsletter

Es wird mal wieder Zeit…
…für einen Newsletter aus Simbabwe. Ich habe mit Schecken festgestellt, dass mein letzter Bericht schon ein Weilchen her ist, so ca. vier Monate +. Wie schnell doch die Zeit vergeht, wenn man beschäftigt ist! Sehr viel passiert ist eigentlich nicht, aber ein paar Dinge gibt’s schon zum Berichten.

Leute gehen und kommen, vielleicht, irgendwann
Wenn man ein Weilchen in einer Arbeitsumgebung wie meiner aktuellen gearbeitet und gelebt hat, gewöhnt man sich daran, dass „alte“ Freunde gehen und neue kommen. Das ist ja generell nicht ungewöhnlich, hier geschieht es einfach öfter und schneller. In den letzten vier Monaten haben einige Freunde, berufliche und private, Simbabwe verlassen. Keine Angst, ich werde nicht alle aufzählen, nur ein paar wenige, wie zum Beispiel meine WG-Kollegin, Liz, die im April zurück in die Staaten gegangen ist, nach acht Jahren im Ausland. Für mich bedeutete das: neues Haus. Aber davon später. Der letzte wichtige Abschied war am vergangenen Freitag. Unser Chief of Mission hat seine Mission in Simbabwe beendet und wird der neue Chief in Kolumbien. Sein Nachfolger für Simbabwe wurde längst bestimmt, aber solange Mugabe ihn nicht bestätigt, sind wir ein bisschen Chef-los. Wir hoffen nun, dass er bald kommen kann, vielleicht, irgendwann, hoffentlich bald!
In zwei-drei Wochen wird mein Nachfolger bei IOM anfangen. Ein junger und viel versprechender Simbabwer. Freue mich sehr darauf, ein bisschen Arbeit abgeben zu können! Ausserdem brauche ich im September jemanden, der meinen Job macht, während ich mit meinen Eltern und meinem Gotti drei Wochen lang das südliche Afrika unsicher mache!

Das neue Haus
Wie schon im letzten Newsletter erwähnt war Liz’s Zeit in Simbabwe im April abgelaufen und ausserdem tauchte die Eigentümerin von unserem Haus unangemeldet einfach wieder auf. Der Schreck sitzt mir immer noch in den Knochen! Die Pläne für unsere Flucht aus dem Haus haben wunderbar geklappt und die Eigentümerin hat irgendwie gemerkt, dass es wegen ihr war... Wir sind eigentlich beide nicht so, aber diese Person ist einfach zu ……….. ich kann das nicht beschreiben, dafür gibt’s keine Worte!
Das neue Haus teile ich mit einer Kollegin von IOM. Da wir beide nicht viel Zeit zu Hause verbringen macht es nichts, dass das Haus überhaupt nicht „heimelig“ ist. Nein, wir sind nicht ständig am Party machen! Jedenfalls nicht immer… ;-) Ich hab jetzt keinen Pool mehr. Macht überhaupt nichts, bin sowieso keine Wasserratte. Die Gegend von Harare, in der ich jetzt wohne, hat deutlich mehr Stromunterbrüche und tagelang kein Wasser. Macht auch nichts, wir haben ja einen Generator und eine Grundwasserbohrung (die nicht tief genug ist… wir kriegen in zwei Wochen aber eine neue!!!). Alles in Allem ist das Haus sehr ok und ausserdem noch billiger als das alte. Aber auch hier ist ständig etwas kaputt… Aber die Eigentümer scheinen sehr angenehm zu sein, was mir nach meiner letzten Erfahrung sehr wichtig ist!

Aus der Schweiz – in die Schweiz
Ende April war wieder der alljährliche Besuch der Delegation aus der Schweiz angesagt. Diesmal sind wir wieder die Bohrungen anschauen gegangen, im Sinne von: 6 Monate später, und ausserdem besuchten wir unsere Plumsklos, das neue Projekt in der selben Gegend. Alles lief gut und die Diskussionen mit der Delegation, den WC-Bauern und den Wasser-Trinkern waren sehr produktiv.
Danach war das grosse Kunst-Festival in Harare: HIFA! Leider hab ich nicht viel mitbekommen, da ich vor meinem Abflug in die Schweiz noch einiges zu erledigen hatte. Einen Abend hab ich mir aber doch aus dem Büro geschlichen und die Atmosphäre des Festivals mit Ausstellungen und Open-Air Konzerten genossen! Herrlich! Fast so gut wie die Alpentöne!!! Kaum war ich auf den Geschmack gekommen ging’s aber zum Flughafen: Drei Tage DEZA-Kurs in Wasser-Qualitäts-Bestimmung im Feld und Chlorierung von Wasser, ein paar Tage in Zürich und Altdorf und anschliessend zwei Tage TCS-Töffkurs in Ambri. Natürlich war ich genau in den zwei verregneten Wochen in der Schweiz. Zum Glück (?) hat’s nicht immer geregnet. Auf dem. Simplon hat’s nämlich geschneit. Sehr interessante Erfahrung mit dem Moped…
Dann waren die zwei Wochen schon wieder um und ich musste einige Freunde und Verwandte ungesehen zurück lassen. Sorry!

Die WM
Alle die nicht glauben, dass es für Afrikaner ein grosses Erlebnis war, die WM auf ihrem Kontinent zu haben, hätten im Juni/Juli in Afrika sein sollen! Die Stimmung war wunderbar! Es war eine grossartige Zeit. Auch beruflich. Da sowieso alles vor dem Fernseher war, gab’s kaum einen Grund für Überstunden. Da mein Fernseher zu klein ist, habe ich einen Monat lang die Gastfreundschaft meiner Kollegen und Freunde genossen und bin vermehrt am Abend mit Freunden in Restaurants und Bars gegangen, um die Spiele in einem gemischteren Publikum zu geniessen. Ich war dann trotzdem froh, als der Spuk vorbei war, damit die Projekte wieder etwas schneller vorwärts gehen.

Kulinarisches
Nachdem ich bereits Magen und Darm mit Sadza gegessen habe, und das ist geschmacklich nicht vergleichbar mit den Kutteln, die ich kenne, habe ich nun auch mit einem typischen simbabwischen Snack Bekanntschaft gemacht: frittierter Vogel, am Stück. Diese Leckerbissen kann man in einigen Gegenden am Strassenrand kaufen. Das sind spatzengrosse Vögel, die man gerade mal von ihrem Gefieder befreit und frittiert hat. Der Rest ist noch dran beziehungsweise drin. Man isst das ganze Ding, von den Zehennägeln bis und mit Schädel und Schnabel. Mehr ins Detail werde ich jetzt nicht gehen, aber es war eine sehr interessante, aber nicht un-schmackhafte, Erfahrung und hat mich einiges an Überwindung gekostet.

Der Mann und seine Häuser
Andere Länder, andere Sitten. Ich möchte das was kommt möglichst neutral schreiben, bin aber nicht sicher, ob es mir gelingt…
Das allererste, das man einer (jungen) Frau die nach Simbabwe kommt, erklären sollte, ist das Prinzip vom „Small House“. Die Männer in Simbabwe (und auch in anderen Ländern) sind nicht einfach freundlicher, hilfreicher und aufmerksamer als andere. Sie sind „interessierter“. In Simbabwe ist Polygamie immer noch weit verbreitet, vor allem auf dem Land und für die ältere Generation. Die jüngeren Männer (so ca. bis 50 oder 60 ;-)) haben nicht mehr mehrere Ehefrauen sondern mehrere „Häuser“ und „Sidekicks“, oder anders gesagt: „Geliebte“ und „jemanden für ab und zu“. Das ist ja noch nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist, wie akzeptiert es ist, dass Männer mehrere Frauen parallel haben (und das gilt nur für Männer, so steht’s in der Bibel…). In den letzten Wochen hatte ich mehrmals Gelegenheit über dieses Thema zu diskutieren und mehr über die „Mechanismen“ zu erfahren. Also: ein Mann hat in der Regel mehrere Frauen/Freundinnen. Die Frauen wissen das häufig nicht. Immer noch nicht ungewöhnlich. Die Freunde der Männer und teilweise sogar die Familien der Männer wissen von den verschiedenen Frauen und kennen diese meistens sogar. Die verschiedenen Freundinnen und Frauen werden zu verschiedenen Partys eingeladen und jeweils als feste Freundin vorgestellt. Obwohl die Mehrheit der Anwesenden genau weiss, dass das nicht stimmt, würde nie, wirklich nie jemand die Frau aufklären. Ich weiss nicht, ob die Frauen ein bisschen naiv sind oder die Männer sehr geschickt. Egal. Rein logisch betrachtet müssen die Frauen auch mehrere Männer haben. Sonst gäbe es ja zu wenige Frauen. Bei den Frauen darf das aber nie jemand erfahren. Das ganze hat aber auch einen positiven Aspekt, und ich meine nicht den für die Männer! Zu der ganzen Small-House Geschichte gehört meistens auch, dass der Mann auch für die zweite, dritte, etc. Frau sorgt, finanziell. Sehr oft bezahlt ein Mann seiner/seinen Frau/en eine Wohnung, alle Rechnungen, Kleidung, und so weiter und manchmal sogar ein Studium. Dafür stellt sich hier in Simbabwe wahrscheinlich manche Frau gerne unwissend…

So, jetzt hab ich mich mal wieder gemeldet. Ihr könnt Gamu, unserem „IT-Spezialisten“ hier Danke sagen. Er hat mir heute vorgeworfen, dass mein (Ego-)Antivirus-Programm alle Dateien auf dem Server gelöscht habe… Der ist doch nur eifersüchtig, dass ich als einzige keinen Virus auf meinem Laptop habe! Jedenfalls update ich meinen Avira AntiVir gerade zum Trotz. Der Nachteil ist, dass das heute ewig dauert. Der Vorteil: ihr habt wieder mal was zum Lesen! ;-)

Liebe Grüsse!


Eveline.

1 Kommentar:

  1. Mhmh... die Story mit den Männern und Frauen gefällt mir. Ich muss sagen, ich halte die Frauen eher für clever;-)
    Liebe Grüsse Karin

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