Es wird mal wieder
Zeit…
…für einen Newsletter aus Simbabwe. Ich habe mit Schecken festgestellt,
dass mein letzter Bericht schon ein Weilchen her ist, so ca. vier Monate +. Wie
schnell doch die Zeit vergeht, wenn man beschäftigt ist! Sehr viel passiert ist
eigentlich nicht, aber ein paar Dinge gibt’s schon zum
Berichten.
Leute gehen und kommen, vielleicht,
irgendwann
Wenn man ein Weilchen in einer Arbeitsumgebung wie meiner aktuellen
gearbeitet und gelebt hat, gewöhnt man sich daran, dass „alte“ Freunde gehen und
neue kommen. Das ist ja generell nicht ungewöhnlich, hier geschieht es einfach
öfter und schneller. In den letzten vier Monaten haben einige Freunde,
berufliche und private, Simbabwe verlassen. Keine Angst, ich werde nicht alle
aufzählen, nur ein paar wenige, wie zum Beispiel meine WG-Kollegin, Liz, die im
April zurück in die Staaten gegangen ist, nach acht Jahren im Ausland. Für mich
bedeutete das: neues Haus. Aber davon später. Der letzte wichtige Abschied war
am vergangenen Freitag. Unser Chief of Mission hat seine Mission in Simbabwe
beendet und wird der neue Chief in Kolumbien. Sein Nachfolger für Simbabwe wurde
längst bestimmt, aber solange Mugabe ihn nicht bestätigt, sind wir ein bisschen
Chef-los. Wir hoffen nun, dass er bald kommen kann, vielleicht, irgendwann,
hoffentlich bald!
In
zwei-drei Wochen wird mein Nachfolger bei IOM
anfangen. Ein junger und viel versprechender Simbabwer. Freue mich sehr darauf,
ein bisschen Arbeit abgeben zu können! Ausserdem brauche ich im September
jemanden, der meinen Job macht, während ich mit meinen Eltern und meinem Gotti
drei Wochen lang das südliche Afrika unsicher
mache!
Das neue Haus
Wie schon im letzten Newsletter erwähnt war Liz’s Zeit in Simbabwe im
April abgelaufen und ausserdem tauchte die Eigentümerin von unserem Haus
unangemeldet einfach wieder auf. Der Schreck sitzt mir immer noch in den
Knochen! Die Pläne für unsere Flucht aus dem Haus haben wunderbar geklappt und
die Eigentümerin hat irgendwie gemerkt, dass es wegen ihr war... Wir sind
eigentlich beide nicht so, aber diese Person ist einfach zu ……….. ich kann das
nicht beschreiben, dafür gibt’s keine Worte!
Das neue
Haus teile ich mit einer Kollegin von IOM . Da wir
beide nicht viel Zeit zu Hause verbringen macht es nichts, dass das Haus
überhaupt nicht „heimelig“ ist. Nein, wir sind nicht ständig am Party machen!
Jedenfalls nicht immer… ;-) Ich hab jetzt keinen Pool mehr. Macht überhaupt
nichts, bin sowieso keine Wasserratte. Die Gegend von Harare, in der ich jetzt
wohne, hat deutlich mehr Stromunterbrüche und tagelang kein Wasser. Macht auch
nichts, wir haben ja einen Generator und eine Grundwasserbohrung (die nicht tief
genug ist… wir kriegen in zwei Wochen aber eine neue!!!). Alles in Allem ist das
Haus sehr ok und ausserdem noch billiger als das alte. Aber auch hier ist
ständig etwas kaputt… Aber die Eigentümer scheinen sehr angenehm zu sein, was
mir nach meiner letzten Erfahrung sehr wichtig
ist!
Aus der Schweiz – in die Schweiz
Ende April war wieder der alljährliche Besuch der Delegation aus der
Schweiz angesagt. Diesmal sind wir wieder die Bohrungen anschauen gegangen, im
Sinne von: 6 Monate später, und ausserdem besuchten wir unsere Plumsklos, das
neue Projekt in der selben Gegend. Alles lief gut und die Diskussionen mit der
Delegation, den WC-Bauern und den Wasser-Trinkern waren sehr
produktiv.
Danach war das grosse Kunst-Festival in Harare: HIFA! Leider hab ich
nicht viel mitbekommen, da ich vor meinem Abflug in die Schweiz noch einiges zu
erledigen hatte. Einen Abend hab ich mir aber doch aus dem Büro geschlichen und
die Atmosphäre des Festivals mit Ausstellungen und Open-Air Konzerten genossen!
Herrlich! Fast so gut wie die Alpentöne!!! Kaum war ich auf den Geschmack
gekommen ging’s aber zum Flughafen: Drei Tage DEZA-Kurs in
Wasser-Qualitäts-Bestimmung im Feld und Chlorierung von Wasser, ein paar Tage in
Zürich und Altdorf und anschliessend zwei Tage TCS-Töffkurs in Ambri. Natürlich
war ich genau in den zwei verregneten Wochen in der Schweiz. Zum Glück (?) hat’s
nicht immer geregnet. Auf dem. Simplon hat’s nämlich geschneit. Sehr
interessante Erfahrung mit dem Moped…
Dann waren die zwei Wochen schon wieder um und ich musste einige Freunde
und Verwandte ungesehen zurück lassen.
Sorry!
Die WM
Alle die nicht glauben, dass es für Afrikaner ein grosses Erlebnis war,
die WM auf ihrem Kontinent zu haben, hätten im Juni/Juli in Afrika sein sollen!
Die Stimmung war wunderbar! Es war eine grossartige Zeit. Auch beruflich. Da
sowieso alles vor dem Fernseher war, gab’s kaum einen Grund für Überstunden. Da
mein Fernseher zu klein ist, habe ich einen Monat lang die Gastfreundschaft
meiner Kollegen und Freunde genossen und bin vermehrt am Abend mit Freunden in
Restaurants und Bars gegangen, um die Spiele in einem gemischteren Publikum zu
geniessen. Ich war dann trotzdem froh, als der Spuk vorbei war, damit die
Projekte wieder etwas schneller vorwärts
gehen.
Kulinarisches
Nachdem ich bereits Magen und Darm mit Sadza gegessen habe, und das ist
geschmacklich nicht vergleichbar mit den Kutteln, die ich kenne, habe ich nun
auch mit einem typischen simbabwischen Snack Bekanntschaft gemacht: frittierter
Vogel, am Stück. Diese Leckerbissen kann man in einigen Gegenden am Strassenrand
kaufen. Das sind spatzengrosse Vögel, die man gerade mal von ihrem Gefieder
befreit und frittiert hat. Der Rest ist noch dran beziehungsweise drin. Man isst
das ganze Ding, von den Zehennägeln bis und mit Schädel und Schnabel. Mehr ins
Detail werde ich jetzt nicht gehen, aber es war eine sehr interessante, aber
nicht un-schmackhafte, Erfahrung und hat mich einiges an Überwindung
gekostet.
Der Mann und seine Häuser
Andere Länder, andere Sitten. Ich möchte das was kommt möglichst neutral
schreiben, bin aber nicht sicher, ob es mir
gelingt…
Das allererste, das man einer (jungen) Frau die nach Simbabwe kommt,
erklären sollte, ist das Prinzip vom „Small House“. Die Männer in Simbabwe (und
auch in anderen Ländern) sind nicht einfach freundlicher, hilfreicher und
aufmerksamer als andere. Sie sind „interessierter“. In Simbabwe ist Polygamie
immer noch weit verbreitet, vor allem auf dem Land und für die ältere
Generation. Die jüngeren Männer (so ca. bis 50 oder 60 ;-)) haben nicht mehr
mehrere Ehefrauen sondern mehrere „Häuser“ und „Sidekicks“, oder anders gesagt:
„Geliebte“ und „jemanden für ab und zu“. Das ist ja noch nicht ungewöhnlich.
Ungewöhnlich ist, wie akzeptiert es ist, dass Männer mehrere Frauen parallel
haben (und das gilt nur für Männer, so steht’s in der Bibel…). In den letzten
Wochen hatte ich mehrmals Gelegenheit über dieses Thema zu diskutieren und mehr
über die „Mechanismen“ zu erfahren. Also: ein Mann hat in der Regel mehrere
Frauen/Freundinnen. Die Frauen wissen das häufig nicht. Immer noch nicht
ungewöhnlich. Die Freunde der Männer und teilweise sogar die Familien der Männer
wissen von den verschiedenen Frauen und kennen diese meistens sogar. Die
verschiedenen Freundinnen und Frauen werden zu verschiedenen Partys eingeladen
und jeweils als feste Freundin vorgestellt. Obwohl die Mehrheit der Anwesenden
genau weiss, dass das nicht stimmt, würde nie, wirklich nie jemand die Frau
aufklären. Ich weiss nicht, ob die Frauen ein bisschen naiv sind oder die Männer
sehr geschickt. Egal. Rein logisch betrachtet müssen die Frauen auch mehrere
Männer haben. Sonst gäbe es ja zu wenige Frauen. Bei den Frauen darf das aber
nie jemand erfahren. Das ganze hat aber auch einen positiven Aspekt, und ich
meine nicht den für die Männer! Zu der ganzen Small-House Geschichte gehört
meistens auch, dass der Mann auch für die zweite, dritte, etc. Frau sorgt,
finanziell. Sehr oft bezahlt ein Mann seiner/seinen Frau/en eine Wohnung, alle
Rechnungen, Kleidung, und so weiter und manchmal sogar ein Studium. Dafür stellt
sich hier in Simbabwe wahrscheinlich manche Frau gerne
unwissend…
So, jetzt hab ich mich mal wieder gemeldet. Ihr könnt Gamu, unserem
„IT-Spezialisten“ hier Danke sagen. Er hat mir heute vorgeworfen, dass mein
(Ego-)Antivirus-Programm alle Dateien auf dem Server gelöscht habe… Der ist doch
nur eifersüchtig, dass ich als einzige keinen Virus auf meinem Laptop habe!
Jedenfalls update ich meinen Avira AntiVir gerade zum Trotz. Der Nachteil ist,
dass das heute ewig dauert. Der Vorteil: ihr habt wieder mal was zum Lesen!
;-)
Liebe Grüsse!
Eveline.
Mhmh... die Story mit den Männern und Frauen gefällt mir. Ich muss sagen, ich halte die Frauen eher für clever;-)
AntwortenLöschenLiebe Grüsse Karin